Was sind dissoziative Störungen ?

  • Dissoziative Störung ist ein Oberbegriff für eine Reihe psychischer Krankheitsbilder. Die Betroffenen reagieren auf sehr belastende Erlebnisse mit der Abspaltung von Erinnerungen oder gar ganzen Persönlichkeitsanteilen. So lassen sich unerträgliche Erfahrungen ausblenden.


    Zur Funktion dissoziativer Störungen gibt es verschiedene Erklärungsansätze. Gefühle und Erfahrungen, die der Betroffene nicht ertragen kann und/oder nicht in sein Selbstbild integrieren kann, werden abgespalten.

    Die Psyche versucht, sich mit dieser Strategie selbst zu schützen. Verhaltenstherapeutische Konzepte nehmen an, dass verschiedene Faktoren bestimmte Menschen für diese Störungen anfällig machen.

    Zu diesen Faktoren zählen eine genetische Disposition, eine erhöhte Suggestibilität und frühe traumatisierende Erfahrungen wie Vernachlässigung, Gewalt und sexueller Missbrauch.

    Dissoziationen ermöglichen es dem Betroffenen, extreme Belastungssituationen erträglich zu machen und zu verarbeiten.

    Ist der Betroffene wiederholtem Stress ausgesetzt, so etabliert sich im Lauf der Zeit ein Mechanismus, der automatisch abläuft und nicht mehr nur auf konkrete psychosoziale Belastungen als Auslöser reagiert.


    Die dissoziative Störung tritt in einem zeitlichen Zusammenhang mit psychosozialen Belastungen auf.



    Sehr häufig leiden die betroffenen Personen unter weiteren psychopathologischen Auffälligkeiten bzw. manifesten komorbiden Störungsbildern wie Depressionen, akuten Belastungsstörungen, Angst- und Panikstörungen, Phobien, somatoformen Störungen, Zwangsstörungen, schizotypen Störungen, Schizophrenie und anderen dissoziativen Störungen. Als trauma- und stressassoziierte Symptome treten sie auch bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung und der Posttraumatischen Belastungsstörung auf.



    Ein wesentliches Merkmal aller dissoziativen Störungen ist, dass sich keine organische Ursache für die Symptome nachweisen lässt.

    Stattdessen wird angenommen, dass die Symptome durch psychische Faktoren – meist eine extreme psychische Belastung – zustande kommen.


    Charakteristisch ist auch, dass die Symptome im Lauf der Zeit unterschiedlich stark sein können und sich unterschiedliche Symptome (zum Beispiel Gedächtnisverlust, Empfindungsstörungen) miteinander abwechseln können. Gleichzeitig werden die Symptome oft durch belastende Situationen verstärkt.




    Die wesentlichen diagnostischen Unterformen und Symptome der dissoziativen Störung sind:

    dissoziative Amnesie: über die normale Vergesslichkeit hinausgehende Beeinträchtigung der Erinnerung an belastende oder traumatische Ereignisse

    dissoziative Fugue: der Betroffene tritt beispielsweise spontan und unerwartet eine Reise an, wird dabei in keiner Weise äußerlich auffällig und kann sich später nur eingeschränkt oder gar nicht daran erinnern

    dissoziative Stupor: der Betroffene reagiert nicht mehr auf Außenreize wie Licht, Geräusche oder Berührung, zeigt dabei reduzierte oder fehlende willkürliche Bewegungen und spricht nicht mehr, wohingegen bei aufrechter Körperhaltung Muskelanspannung und Atmung normal sind

    dissoziative Bewegungsstörungen: Koordinationsstörungen bis zum völligen Verlust der Bewegungsfähigkeit

    dissoziative Krampfanfälle: epilepsieähnliche, plötzlich krampfhafte Bewegungen

    dissoziative Sensibilitäts- u. Empfindungsstörungen: reduzierte oder fehlende Hautempfindungen oder Sinneswahrnehmungen (Sehen, Hören, Riechen, Schmecken)

    dissoziative Depersonalisation oder Derealisation: Entfremdung gegenüber der eigenen Person oder Unwirklichkeitserleben gegenüber der Umwelt

    dissoziative Identitätsstörung: die dissoziative Störung mit größter Ausprägung und unterschiedlichen, unverbundenen Persönlichkeiten, die zu bestimmten Zeiten die Kontrolle über das Verhalten des Betroffenen haben




Verfasst von Nicki