Aggressive Selbstverletzung/Komorbidität Essstörung und Sucht (Triggerwarnung?)

Es gibt 7 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von believe.

  • Hallo,

    ich schreibe hier, weil ich ziemlich ratlos bin. Aus subjektiver Sicht denke ich irgendwie, dass hier nicht so oft über die wirklich akuten, verzweifelten und aggressiven Zustände berichtet wird, die wahrscheinlich viele von uns begleiten. (Kann auch an minderer Aktivität meinerseits liegen)


    Zunächst einmal fände ich es sehr schön, wenn jemand diesbezüglich antworten könnte, ich habe hier schonmal ein Thema aufgemacht und es hatte mich sehr sehr traurig gestimmt, dass dieses auf null Resonanz gestoßen ist.


    Mein Problem:

    Ich leide, denke ich, unter einer Esstörung, die sich abwechselt von Binge-Eating zu Fastenzeiten. (Gehe bald ein halbes Jahr in stationäre Therapie.)

    Manchmal bin ich echt verbissen und will unbedingt abnehmen (auf aggressive Weise, bei sehr starkem Selbsthass kann es auch zu Erbrechen kommen, jedoch nur,um mir wehzutun)

    Dann gibt es wieder Tage, an denen ich mir auf andere Weise ein Feind bin: ich gehe aktiv gegen meine Ziele vor und Fresse ohne Ende, nehme zu, dann wieder ab.Kann passieren, dass ich innerhalb einer Woche extrem mit dem Gewicht schwanke.


    WIE GEHT IHR DAMIT UM? Wie schafft man es, normal zu sein?

    Auch trinke und rauche ich viel, da ich mir einfach denke, dass eine daraus folgende Krankheit für mein Umfeld leichter zu tragen ist, als Suizid. Ich möchte wirklich betonen,dass ich niemanden beeinflussen will und mir meiner Notlage bewusst bin,weswegen ich derweil aktiv daran arbeite, einen Therapieplatz für Essstörung und Sucht zu erhalten.

    Es ist an sich keine Sucht (das sagen viele Süchtige); sondern aktive Selbstzerstörung.Dann gibt es wieder Tage, an denen ich gesund esse, Yoga mache, mich sozialisiere.



    Mich macht dieses Hin und Her unendlich verzweifelt. Kennt vielleicht jemand ähnliche Zustände und weiß, damit umzugehen?
    Alleine Verständnis würde mir,denke ich,helfen.



    Falls ichmit diesem Beitrag über Grenzen geschritten bin,tut es mir sehr leid. Es ist nur momenten ein ungefälschtes, authentisches Absicht meiner Selbst/verzweiflung.

    Eine Antwort wäre wirklich schön.

    Alles liebe

  • Hallo Wankelmut


    Ich kenne es - mein Extrem hatte einen anderen Auslöser und andere Ausübungen.


    Zudem ich Vollzeit beschäftigt mit Kindergartenkind, alleinerziehend war.


    Ich glaube mich etwas einfühlen zu können. Ich kenne dieses rücksichtslose Verhalten und die Phasen der Ruhe und dem bedachten und klaren Dasein.


    Ich habe eines Nachts wo ich eigentlich dachte, dies sei meine Letzte, begonnen ganz sanft und ganz langsam mich Stück für Stück zu betrachten und wertzuschätzen.

    Jahre - ich glaube 2 bis 3 Jahre hat meine Selbsterfahrung mich annehmen zu können gedauert.


    Und ich habe viel geschrieben... es liegt ein rohes Buch bei mir... vielleicht habe ich mal die Zeit und gebe es jemandem der es mir vollendet.


    Hilft es Dir ein klitzekleines Stückchen Wankelmut ?


    Drück dich kurz

    Dira

    Denke mit deinem Herzen und zeichne Bilder im Kopf.

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Midnightrose86 () aus folgendem Grund: Text in Spoiler gepackt by Midnightrose86

  • Hallo Wankelmut,


    ich weiß nicht ob Dir meine Geschichte dazu helfen kann.


    Bei mir kam das durch mein Ex-Freund. Wir waren 7 Jahre zusammen. Er hat mich von Anfang an unterschwellig entwertet und ich war in einer selbstfindungs Phase und habe seine Entwertungen sehr gut angenommen und ich kannte das auch gut aus meiner Kindheit.


    Nach 2 Jahren in der Beziehung, begann ich mit no-carb. Also keine Kohlenhydrate. Zwei Wochen habe ich es durchgehalten alles wo Zucker drin war zu vermeiden, auch fruchtzucker war nicht erlaubt. Nur zuckerersatzt. Jedes zweite Wochende habe ich mir erlaubt alles zu essen. Das endete immer in einer regelrechten Fresssucht. Selbst Bauchschmerzen haben mich nicht abgehalten weiter zu essen. Jetzt weiß ich das sowas nicht gut für den Körper ist. Nachdem ich ein Jahr meinen Körper so missbraucht habe, kam die Galle in einer Not-OP raus. Danach machte ich mit No-Carb ein Jahr weiter. Ich hatte wirklich fast mein "traumgewicht". Dann bekam ich wieder schlimme Bauchschmerzen und hörte auf. Ausserdem hatte ich festgestellt, dass sich dadurch gar nichts in meiner Beziehung änderte.


    Ich brach zusammen und landete in der geschlossenen wegen Suizid Gedanken.


    Erst dann erklärte mir mein Ex-Freund, dass er kein Selbstwert besitzt und mich nunmal entwerten musste, weil er von mir so viel hält und nicht an meine Größe herankommt, egal wie sehr er sich anstrengt.


    Diese Erkenntnisse haben ihm aber nicht davon abgehalten weiter zu machen. Nur die Anteile haben sich verlagert.


    Durch diesen massiven Diät-Missbrauch kam nicht nur meine Galle raus, sondern auch mein Blinddarm. Jetzt bleiben nicht mehr viele Organe übrig, die raus könnten und die möchte ich doch behalten.


    Mittlerweile habe ich einige Diäten ausprobiert. Low-carb, "besser-leben-deutschland", etc.


    Hängen geblieben bin ich bei der glyx Diät. Jeder, der möchte, muß seine eigene Diät finden. Es gibt nicht "Die" Diät. Wie Buddha schon sagt, ist die Mitte der weg.


    Ich hatte in meiner Jugend extreme Phasen, in denen ich nur mit trinken und zeug rauchen mein Leben ertragen konnte.


    Dann gab es nochmal vor 7 Jahren eine Phase, in der ich zur Flasche griff. Ein guter Freund hat mir, dann von seiner Erfahrung mit einer Alkoholsüchtigen, mit der er zusammen war, erzählt. Zusätzlich hatte ich zu dem Zeitpunkt Studien gesehen, das Alkohol nachweislich irreparabel Schäden im Gehirn hinterlässt. Also macht sich jeder Alkoholiker selber dauerhaft behindert. Schau Dir Alkoholiker an. Die sehen so aus als blieben sie dauerhaft zwischen dem Rausch und des furchtbaren erwachen hängen.


    Seid dem fasse ich Alkohol nur noch begrenzt an. Wenn ich in die Disco gehen, zu weihnachten, zum bday, silvester max. Ein alkoholisches getränk.


    Kann ich das nicht einhalten, gibt es das nächste mal nichts. Ausserdem hab ich 6 Jahre komplett Abstinenz gelebt. Ja, blöde Sprüche musste ich ertragen. Und wenn sie nicht aufgehlrt hsben mich zu bedrängen und ich gesagt habe dass ich ein ehemaliger suchti bin habe ich zweifelnde, mitleidige Blicke bekommen. Nur weil ich noch jung bin.


    Wie uch mit den Schwankungen umgehe? Wohl bemerkt das ist jetzt mein weg. Ich habe akzeptiert, dass ich eine bipolare affektive Störung habe und wenn ich zurück blicke, sehe ich, das vieles davon nicht "Ich" selber war. Nur helfen Medikamente in der Mitte zu bleiben.


    Du hast geschrieben. "Auch trinke und rauche ich viel, da ich mir einfach denke, dass eine daraus folgende Krankheit für mein Umfeld leichter zu tragen ist, als Suizid."


    Dafür versuche ich die richtigen Worte zu finden und ich entschuldige mich im Vorfeld, falls sie hart sind.


    Glaubst Du wirklich, nur weil du dein Körper Deinem Umfeld lässt, wäre das kein Suizid? Ist das nicht ein geistlicher Suizid? Glaubst Du wirklich, dass Dein Umfeld das nicht mitbekommt? Außerdem lässt Du Dein Geist sogar unkontrolliert durch den Rausch bei Ihnen?

    Glaubst Du wirklich das es für Dein Umfeld leichter wäre, wenn Du eine Alkoholleiche bist, die vor sich hin vegetiert?


    Liebe Grüße


    Godzilla

  • Hallo Wankelmut


    einiges was du schreibst, kommt mir sehr bekannt vor.

    Ich leide, denke ich, unter einer Esstörung, die sich abwechselt von Binge-Eating zu Fastenzeiten. (Gehe bald ein halbes Jahr in stationäre Therapie.)

    Manchmal bin ich echt verbissen und will unbedingt abnehmen (auf aggressive Weise, bei sehr starkem Selbsthass kann es auch zu Erbrechen kommen, jedoch nur,um mir wehzutun)

    Dann gibt es wieder Tage, an denen ich mir auf andere Weise ein Feind bin: ich gehe aktiv gegen meine Ziele vor und Fresse ohne Ende, nehme zu, dann wieder ab.Kann passieren, dass ich innerhalb einer Woche extrem mit dem Gewicht schwanke.

    Mir geht das (in etwas abgeschwächter Form) genauso. Ich habe seit zig Jahren Übergewicht, mal etwas mehr, mal etwas weniger.

    Immer wieder habe ich Phasen, da schaffe ich es mich gut und gesund zu ernähren und auch abzunehmen. Ich fühle mich dann auch echt gut damit.

    Und dann kommt immer wieder ein Punkt an dem ich mich selbst boykottiere. Natürlich ist es ein Stück weit eine Frage der Disziplin, aber aus meiner Sicht eben viel mehr. Ich schwanke bei einem "Ausrutscher" dann sofort wieder ins andere extrem. So nach dem Motto: ich schaffe das eh nicht, dann kann ich auch einfach essen was ich will. Und auch zur Bestrafung: du hast es nicht geschafft durchzuhalten, also bleib fett und werde noch fetter, du hast es nicht anders verdient.

    Tja, konstruktiv und hilfreich ist das nicht. Aber ein Muster, aus dem ich nur schwer raus komme.


    WIE GEHT IHR DAMIT UM? Wie schafft man es, normal zu sein?

    Meinen Weg habe ich noch nicht endgültig damit gefunden. Ich habe nach wie vor viel Übergewicht. Aber ich versuche mein Essverhalten nicht zu extrem werden zu lassen. Und wenn es Tage/Momente gibt mit Fressanfällen, versuche ich fürsorglicher mit mir zu sein. Diese Anfälle haben ja eine Ursache, sie sind letztendlich nur ein Symptom. Das versuche ich wahrzunehmen und zu hinterfragen, warum ich den Fressanfall gerade "gebraucht" habe.

    Gründe sind bei mir manchmal Frust, Überforderung, Stress, Traurigkeit, Hilflosigkeit, Bestrafung für andere Dinge oder auch das Bedürfnis mehr Abstand zur Außenwelt zu bekommen (meinen Schutzpanzer zu vergrößern).

    Es ist besser geworden. Aber den Schritt zum konsequenten Abnehmen habe ich noch nicht geschafft.

    Das braucht sehr viel Fokus und Energie bei mir, und diese Kapazität fehlt mir zur Zeit. Also versuche ich zu halten und es zumindest nicht mehr werden zu lassen.


    Ansonsten würde ich sagen, sollte man sich von dem Begriff "normal" verabschieden. Denn was ist normal?! Jeder wird das anders definieren... und selbst wenn zig Menschen etwas für normal halten, heißt es nicht, dass das für dich passt und auch richtig ist.

    Mein Tipp hier wäre, weniger ins Außen zu gucken und zu vergleichen und eher in dich zu spüren, was du dir für dich wünschst. Was ist dein Ziel mit dir selbst?

    Was verbindest du mit "normal" sein?



    Was das Rauchen und Trinken und die damit verbundene Selbstschädigung angeht, sehe ich das ähnlich wie Godzilla Schmetterengel .

    Es ist ein Trugschluss, dass du es für andere damit leichter machst. Für dich selbst vermutlich auch nicht.


    Die stationäre Therapie in die du gehst, ist die ganzheitlich oder nur auf dein Essverhalten bezogen? Wann kannst du dort hin?

    Ich glaube, dass es für dich ganz wichtig wäre, für das ganze Paket Unterstützung zu bekommen und nicht für einzelne Suchtprobleme. Denn ich denke, das hängt alles zusammen.


    Ich schicke dir ganz viel Kraft! :empathy:

    I’m not the silly romantic you think.

    I don’t want the heavens or the shooting stars.

    I don’t want gemstones or gold.

    I have those things already.

    I want…

    a steady hand.

    A kind soul.

    I want to fall asleep, and wake, knowing my heart is safe.

    I want to love, and be
    loved

    [Shana Abé]

  • Hey Leute, also erstmal ein riesengroßes Danke für eure Antworten, es hilft mir tatsächlich sehr. Ich versuche, auf alles einzugehen :)

    Dann gab es nochmal vor 7 Jahren eine Phase, in der ich zur Flasche griff. Ein guter Freund hat mir, dann von seiner Erfahrung mit einer Alkoholsüchtigen, mit der er zusammen war, erzählt. Zusätzlich hatte ich zu dem Zeitpunkt Studien gesehen, das Alkohol nachweislich irreparabel Schäden im Gehirn hinterlässt. Also macht sich jeder Alkoholiker selber dauerhaft behindert. Schau Dir Alkoholiker an. Die sehen so aus als blieben sie dauerhaft zwischen dem Rausch und des furchtbaren erwachen hängen.

    Godzilla Schmetterengel DasDing bei mir ist, dass ich das gut fände, was total krank ist von mir. Mir sagen immer die Leute, ich solle nicht so viel rauchen,weil ich dann die Konsequenzen zu tragen habe, ich denke mir,dass es wirklich gut wäre, damit ich wenigstens nicht durch Suizid umkomme (Nochmal,tut mir echt leid das hier so offen anzusprechen)
    Wenn ich jetzt eine schwere Krankheit bekäme hätte ich mega Angst, aber im Grunde bringt es mich dem Ziel näher., Auch habe ich in guten Phasen meinen Lebenswillen reflektiert - kaum existent.

    Glaubst Du wirklich, nur weil du dein Körper Deinem Umfeld lässt, wäre das kein Suizid? Ist das nicht ein geistlicher Suizid? Glaubst Du wirklich, dass Dein Umfeld das nicht mitbekommt? Außerdem lässt Du Dein Geist sogar unkontrolliert durch den Rausch bei Ihnen?

    Glaubst Du wirklich das es für Dein Umfeld leichter wäre, wenn Du eine Alkoholleiche bist, die vor sich hin vegetiert?

    Ja, ich fände es auch nicht so ehrenhaft, so einen Tod zu leben. Ich möchte auch wirklich kein schwerer Alkoholiker werden, ich finde das auch selbst für mich zu schlimm..

    Ich fühle mich in schwer depressiven Phasen wie in einer Psychose - mein ganzer Blick ist verzerrt und ich denke sogar, dass meine engen Freunde mir die Freundschaft vorheucheln.

    Hier wütet einfach ein kaum aufhaltbarer Sturm.. :(
    Ich verstehe total, wenn das die Lesenden irgendwie sauer macht, ich fühle mich irgendwie amAbrgund. Aber das darüber reden hilft mir enorm.


    PS: kannst sehr stolz sein, dass du die Kraft besitzt, dich fortwährend dieser Sucht zu entziehen. Das finde ich wirklich toll. Und nochmal danke für deine Antwort!"

    Wie uch mit den Schwankungen umgehe? Wohl bemerkt das ist jetzt mein weg. Ich habe akzeptiert, dass ich eine bipolare affektive Störung habe und wenn ich zurück blicke, sehe ich, das vieles davon nicht "Ich" selber war. Nur helfen Medikamente in der Mitte zu bleiben.

    Ich frage mich- wann ist man sich sicher, ob das einem selbst entspringt oder diesen Gefühlswallungen? Ich fühle mich massiv von Emotionen geleitet und bin mir selbst eine riesen Gefahr. Ich hoffe, dass die stationäre Therapie hilfreich ist, ich bin auch offen dafür, Frieden mit mir zu schließen

    Und dann kommt immer wieder ein Punkt an dem ich mich selbst boykottiere. Natürlich ist es ein Stück weit eine Frage der Disziplin, aber aus meiner Sicht eben viel mehr. Ich schwanke bei einem "Ausrutscher" dann sofort wieder ins andere extrem.

    believe Ich empfinde das meist gar nicht als disziplinlosigkeit, irgendwie ist von heut auf morgen meine gesamte Grundhaltung anders konstituiert. Ich nehme auch aus falschen Gründen ab. (Man soll mich lieben) Und dann wache ich auf und will mich einfach nur selbst betäuben und, wie du es auch sagst, boykottieren. Ich hab oft nichtmal Appetit darauf. Ich rauche grade kein Gras mehr, weil das nicht nachweisbar sein darf, wenn ich die Therapie antrete. Seitdem esse und trinke ich viel mehr...


    Hast du vielleicht engmaschige Therapieerfahrung? Ich weiß halt erst seit einem Jahr darum und hatte bisher 10 Wochen Tagesklinik, 1 W stationär und sonst Suchtberatung mit meiner Therapeutin. Hat auch alles total geholfen, vorher war das noch schlimmer

    mehr Abstand zur Außenwelt zu bekommen (meinen Schutzpanzer zu vergrößern).

    Das verstehe ich total! Ist ein ewiges Hin und Her..

    Ansonsten würde ich sagen, sollte man sich von dem Begriff "normal" verabschieden. Denn was ist normal?! Jeder wird das anders definieren... und selbst wenn zig Menschen etwas für normal halten, heißt es nicht, dass das für dich passt und auch richtig ist.

    Auch da hast du Recht. Eigentlich finde ich auch niemanden normal, da jeder einzigartig ist auf seine Weise. Ich bin nur zu mir schlecht, - nicht die anderen sind normgerecht,sondern ich einfach krank. < Das ist kein guter Ansatz, das weiß ich. Es spiegelt meine Selbstsicht,die ich hoffentlich nach und nach ablegen kann.. Darüber werde ich jedoch jetzt schon anfangen, nachzudenken. danke dir:)

    Die stationäre Therapie in die du gehst, ist die ganzheitlich oder nur auf dein Essverhalten bezogen? Wann kannst du dort hin?

    Ja, es ist ganzheitlich. Dort wissen die Leute, dass es so viele Leute gibt, die nicht stoffgebunden abhängig, sondern Suchtanfällig sind und von Droge zu Droge springen, bevor es wirklich heiß wird. Als ich da angerufen habe,meinten die, dass da mindestens 50% Borderliner sind, sie seien wohl vertraut mit dem Thema und meinten auch, dass ich gut hinpasse. Bei meiner Konstellation von Persönlichkeits- und Esstörung + Sucht komme ich im Eilverfahren rein.Ich denke, so in 2 Monaten ist alles geschaft.

    Ich schicke dir ganz viel Kraft!

    Ich euch auch! Danke für eure Zeit, das bedeutet mir echt was. :love

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  • Hi Wankelmut,


    für Dich hab ich mich jetzt extra an den Rechner gesetzt um besser schreiben zu können. ;-)

    DasDing bei mir ist, dass ich das gut fände, was total krank ist von mir. Mir sagen immer die Leute, ich solle nicht so viel rauchen,weil ich dann die Konsequenzen zu tragen habe, ich denke mir,dass es wirklich gut wäre, damit ich wenigstens nicht durch Suizid umkomme (Nochmal,tut mir echt leid das hier so offen anzusprechen)
    Wenn ich jetzt eine schwere Krankheit bekäme hätte ich mega Angst, aber im Grunde bringt es mich dem Ziel näher., Auch habe ich in guten Phasen meinen Lebenswillen reflektiert - kaum existent.

    Dir brauch es nicht leid tun, dass so offen anzusprechen. Ich kenne diese Gedanken mit der schweren Krankheit. Und auch immer wiederkehrende Suizid-Gedanken. Bei mir ist Heute ein Knoten aufgegangen, dank meiner Auseinandersetzung Deiner Gedanken und weil Familiär was vorgefallen ist.


    Solange ich Familiär (Meine Eltern, Geschwister, Verwandte) eingebunden war, waren meine Selbstvernichtung und der Selbsthass mein Antrieb. Seid Heute weiß ich warum. Immer wenn etwas schlimmes bei mir oder meinen Geschwistern (Kindheit und Jugend) passierte, saßen meine Eltern Handlungsunfähig da und versanken in der Frage, was sie falsch gemacht haben, wo ihre Fehler waren, was sie hätten anders tun müssen. Sie litten vor Selbstvorwürfe und ließen uns wieder und wieder in den größten Nöten (sexuelle und körperliche Übergriffe) im Stich. Es gab niemanden, der für uns dann kämpfte, der für uns stark war, der uns verteidigte, der für uns einstand, hinter dem wir uns verstecken konnten, der uns Mut zusprach, dagegen anzugehen. Wir mussten für sie stark sein. Als Kind wollte ich nie das sie leiden und dann überspielte ich einfach die schlimmen Dinge. Damit es ihnen wieder gut ging. Das ist das einzige was ich tun konnte. Wir mussten Sie trösten und die Verantwortung tragen.


    Noch Heute trage ich sehr viel Hass und Wut und Aggressionen gegenüber meinen Eltern in mir. Als ich noch unter Ihrer "Kontrolle" war und mir noch ihre Wertungen wichtig waren, fing ich an mich selber zu zerstören. Und das einzige, wie ich ihnen den gleichen Schmerz zufügen konnte, wie ich ihn durch sie ständig verspürte, war sie leiden zu lassen durch meine Selbstzerstörung. Es gab mir auch irgendwie Macht über sie. Ihre Macht hatten sie auch ständig ausgenutzt um uns so zu beeinflussen wie sie es für richtig hielten. Damals wusste ich nicht was ich tat und warum ich es tat. Seid Heute begreife ich es ganz. Danke dafür, dass waren wichtige Puzzleteile.


    Sorry, dass ich immer so weit aushole. Wenn ich mal am Thema vorbeirutsche bitte sagen. Das passiert mir manchmal.:ukgn:


    Weißt Du warum Du Dich zerstören möchtest? Das ist eine schwierige Frage. Ich hab 25 Jahre gebraucht die Frage zu beantworten. :pinch

    Ich frage mich- wann ist man sich sicher, ob das einem selbst entspringt oder diesen Gefühlswallungen? Ich fühle mich massiv von Emotionen geleitet und bin mir selbst eine riesen Gefahr.

    Ich versuch mich kurz zu halten. *hust*


    Seid drei Jahren beschäftige ich mich damit wer ich bin und wer ich sein will. Über diese Zeit habe ich mich selber gefunden. Das war ein verdammt harter und schmerzvoller Weg. Also kann ich Dir nur empfehlen wenn Du leiden möchtest. :tt2:


    Seid dem fällt es mir sehr viel leichter netter mit mir umzugehen und habe sehr viel Verständnis für mich. Trotzdem begegne ich Leute, die mich in alte Muster bringen, alte Eigenschaften aus mich raus kitzeln. Verhalten, was ich nicht bin und was ich gar nicht sein mag, weil es Relikte aus einer Zeit sind, in der ich mich für andere so verhielt. Z.B. für meine Eltern. Trotzdem falle ich in dieses Verhalten oft mit ein und werde dadurch mir selbst zur Gefahr.


    In meiner Gruppen-Therapie hatten wir letztens ein Beispiel. Unser bisher antrainiertes Verhalten ist wie eine Autobahn. Das läuft meistens unterbewusst ab und wenn wir es ändern wollen, müssen wir uns dafür erstmal eine Autobahn erschaffen. Das beginnt damit im Unterholz zu kriechen. Damit es ein Trampelpfad wird müssen wir da oft drüber kriechen. usw.


    Das geht mir dann immer durch den Kopf wenn ich in alte Muster zurück falle. Es hilft mir gnädiger mit mir selbst zu sein.


    Es ist aber toll, dass Du Dir trotz diesem destruktiven Verhalten Hilfe suchst und in eine stationäre Therapie gehst. Dafür wünsche ich Dir viele Knoten, die aufgehen, und das du dort mehr zu Dir selbst findest.


    Übrigens fand ich die Ausführungen von believe echt klasse. Du hast es super gut beschrieben mit der "Fress-Sucht".


    Liebe Grüße


    Godzilla

  • Erstmal einen schönen guten morgen! Wollte mich erstmal bei euch dreien Dirla , believe und Godzilla Schmetterengel bedanken! Eure Worte haben mir dabei geholfen,

    erneut zu versuchen, da raus zu kommen. Fühle mich heute viel fähiger und versuche einen roten Faden in meinen Tag zu bringen :) danke!

    Immer wenn etwas schlimmes bei mir oder meinen Geschwistern (Kindheit und Jugend) passierte, saßen meine Eltern Handlungsunfähig da und versanken in der Frage, was sie falsch gemacht haben, wo ihre Fehler waren, was sie hätten anders tun müssen. Sie litten vor Selbstvorwürfe und ließen uns wieder und wieder in den größten Nöten (sexuelle und körperliche Übergriffe) im Stich. Es gab niemanden, der für uns dann kämpfte, der für uns stark war, der uns verteidigte, der für uns einstand, hinter dem wir uns verstecken konnten, der uns Mut zusprach, dagegen anzugehen

    Erstmal tut es irgendwie weh zu lesen, dass Ihr als Kinder in so einer schweren Notlage allein gelassen wurdet. Das war bestimmt nicht leicht!

    Jetzt, wo du es sagst - stimmt! Bei mir war das auch so, dass meine Mutter sich für alles vorwürfe gemacht hat und immer krank war .- vielleicht habe auch ich das adaptiert?

    Ich komme auch aus einer Unterschichtsfamilie, wo "Wir sind nichts, wir werden nichts, wir schaffen nichts!" Der Leitspruch war. Ich hab als erste versucht auszubrechen, als erste studiert etc, aber letzten endes wurd ich auch wieder auf den Boden der Tatsachen gezogen und bekomme nichts hin. (was ich ändern will, nichts ist in Stein gemeißelt!)

    Sorry, dass ich immer so weit aushole. Wenn ich mal am Thema vorbeirutsche bitte sagen. Das passiert mir manchmal.

    Gar kein Thema! Wie du merkst, mache ich das auch. :D Ich finde es voll schön, dass ich dich dadurch auch zum Nachdenken anregen konnte und selbst davon zehre!

    Weißt Du warum Du Dich zerstören möchtest? Das ist eine schwierige Frage. Ich hab 25 Jahre gebraucht die Frage zu beantworten.

    Ich hab ein bisschen Angst, dass da schlummernde Traumata hinterstecken.

    Bewusst weiß ich, dass ich mir zB die Ausbrüch:winke:e ggü. Freunden nicht verzeihe und von 16-19 exzessiv und hochriskant promiskuitiv war. Ich kann das nicht mehr rückgängig machen und schäme mich dafür

    Das geht mir dann immer durch den Kopf wenn ich in alte Muster zurück falle. Es hilft mir gnädiger mit mir selbst zu sein.

    Das ist echt schön! Man muss dagegen ankämpfen!

    Übrigens fand ich die Ausführungen von believe echt klasse. Du hast es super gut beschrieben mit der "Fress-Sucht".

    Finde ich auch!!! :)


    und wollte mich bei Dirla entschuldigen nicht drauf eingegangen zu sein, mir hat dein Text natürlich auch total geholfen und auch der Fakt, dass du dir alleine die Zeit genommen hast :)



    Wünsche euch allen einen schönen und erfolgreichen Tag! :love:knudd:

  • Hallo Wankelmut,


    diesmal hat es etwas gedauert bis ich in Ruhe antworten kann.

    Erstmal einen schönen guten morgen! Wollte mich erstmal bei euch dreien Dirla , believe und Godzilla Schmetterengel bedanken! Eure Worte haben mir dabei geholfen,

    erneut zu versuchen, da raus zu kommen. Fühle mich heute viel fähiger und versuche einen roten Faden in meinen Tag zu bringen danke!

    Danke für diese lieben Worte :knudd:

    Es tut gut zu lesen, wenn sich ein anderer hier etwas positives rausziehen kann.

    Dafür ist das Forum ja auch gedacht :Kolo:


    Ich nehme auch aus falschen Gründen ab. (Man soll mich lieben) Und dann wache ich auf und will mich einfach nur selbst betäuben und, wie du es auch sagst, boykottieren. Ich hab oft nichtmal Appetit darauf.


    Du bist ja schon mal reflektiert, und weißt, dass das kein guter Grund zum Abnehmen ist. Ich hatte dir gerade ja zum Thema Abnehmen auch geantwortet... ich denke, das wird der Grund sein, warum du dich auch schlank nicht wohlfühlst.

    Hast du denn für dich eine Idee, was sich verändern müsste, dass du dich selbst lieben kannst?


    Das Gefühl des betäuben wollens kenne ich übrigens auch so. Die Beschreibung trifft es gut.


    Hast du vielleicht engmaschige Therapieerfahrung? Ich weiß halt erst seit einem Jahr darum und hatte bisher 10 Wochen Tagesklinik, 1 W stationär und sonst Suchtberatung mit meiner Therapeutin. Hat auch alles total geholfen, vorher war das noch schlimmer

    Nein, habe ich nicht. Ich war einmal in einer Jugendklinik zum Abnehmen für 4 Wochen, für psychische Themen haben die sich aber null interessiert. Ansonsten bin ich in ambulanter psychotherapeutischer Behandlung, da geht es aber weniger um das Thema Gewicht.


    Es hat mich gefreut zu lesen, dass du eine ganzheitliche Klinik gefunden hast. Das klingt sehr erfolgversprechend. :smilie_girl_020:



    Auch da hast du Recht. Eigentlich finde ich auch niemanden normal, da jeder einzigartig ist auf seine Weise. Ich bin nur zu mir schlecht, - nicht die anderen sind normgerecht,sondern ich einfach krank.

    Auch bei mir ist Selbstliebe und -Akzeptanz ein altbekanntes Thema. Zum Glück ist es mittlerweile deutlich besser geworden.

    Eine Aussage meiner Therapeutin ist mir dabei massiv hängen geblieben (auch wenn es gar nichts spektakuläres war).

    Sie meinte mal, dass ich versuchen soll mich als mein eigenes Kind zu sehen und mir überlegen, wie ich dann empfinden würde.

    Die Situation war die, dass ich krank war und mich furchtbar darüber geärgert habe, sauer auf meinen Körper war, von Selbstfürsorge hat jede Spur gefehlt. Sie meinte, was würden sie machen, wenn ihr Kind krank wäre? Wären sie dann auch sauer und würden erwarten, dass es wie immer funktioniert? Oder wären sie nicht besorgt, würden es ins Bett packen und liebevoll umsorgen?

    Eigentlich trivial, aber ich habe mir das echt verinnerlicht und mir hilft das. Wenn solche Momente voller Wut auf mich selbst sind, dann versuche ich mich aus Perspektive einer Mutter zu betrachten.


    Ich hab ein bisschen Angst, dass da schlummernde Traumata hinterstecken.

    Bewusst weiß ich, dass ich mir zB die Ausbrüche ggü. Freunden nicht verzeihe und von 16-19 exzessiv und hochriskant promiskuitiv war. Ich kann das nicht mehr rückgängig machen und schäme mich dafür

    Das ist doch ein Anfang. Du hast vielleicht Fehler gemacht und du hast Recht, rückgängig kann man das meist nicht machen.

    Aber das bedeutet nicht, dass du ein schlechter Mensch oder nicht liebenswert bist. Zumal du noch ein Teenie warst, da ticken die Hormone ja eh nochmal anders. Frage dich doch, ob du einem Menschen, den du von Herzen liebst, das was damals passiert ist verzeihen könntest?

    Ich hoffe, die Antwort würde ja lauten. Und das gleiche gilt dann auch für dich.

    Du darfst dir das selbst verzeihen :empathy:

    Wobei mir natürlich klar ist, dass das nicht klappt nur weil ich das hier schreibe. Aber vielleicht ist es ein Ansatz, den du in die Klinik mitnehmen kannst.


    Soweit von mir an dieser Stelle. :winke:

    I’m not the silly romantic you think.

    I don’t want the heavens or the shooting stars.

    I don’t want gemstones or gold.

    I have those things already.

    I want…

    a steady hand.

    A kind soul.

    I want to fall asleep, and wake, knowing my heart is safe.

    I want to love, and be
    loved

    [Shana Abé]