Magisches Denken

Es gibt 26 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von padma28.

  • Nur zu, Enn  :knudd:- ich finde es gut, dass so viele zu dem Thema was schreiben wollen und können. Soll ja nicht nur um mich gehen, sondern auch über eure Ansichten und Wahrnehmungen. Finde dieser Thread hat sich sehr spannend entwickelt und ich freue mich über alle Posts!


    Heute früh ist mir ein weiteres Beispiel für magisches Denken an mir aufgefallen. Wahrscheinlich ist davon viel mehr bei mir vorhanden, als ich selber weiß.

    Also, ich bin gestern im Garten beim Auflösen von Stein- und Ziegelhaufen auf spaltenbewohnende Monsterspinnen der allerekligsten Sorte gestossen.

    Weil ich im Lauf der Jahre tapferer geworden bin, habe ich davon mindestens 10 Riesen und zwei Kinder in die ewigen Jagdgründe schicken können.

    Ich denke auch, dass dies unter Magisches Denken geht. :hmm: Obwohl zwischen Aberglaube und Magischem Denken nicht so ein grosser Untschied liegt, wenn ich mir das so recht überlege.

    Es ist sicher gut, dass du diese Gedanken bewusst wahr nimmst und auch hinterfragst. Könnte mir anhand deines Beispieles vorstellen, dass viele Menschen ähnliche Gedanken haben. Die Frage ist da, ab wann schadet es einem? Würdest du im Spinnen Beispiel nochmals so handeln, obwohl du weisst was dir danach für Gedanken durch den Kopf gehen oder würdest du deshalb lieber die Spinnen leben lassen und möglicherweise darunter leiden (Ängste etc) ?


    ps. Keine Sorge wegen des Wetters, habe es in die Schweiz genommen. :squint

    In einer irrsinnigen Welt vernünftig sein zu wollen, ist schon wieder ein Irrsinn für sich.
    - Voltaire -

    :sstprn:

  • obwohl du weisst was dir danach für Gedanken durch den Kopf gehen oder würdest du deshalb lieber die Spinnen leben lassen und möglicherweise darunter leiden (Ängste etc) ?

    Ja, ich würde sie wieder zerquetschen. Auf dem Ziegelhaufen bin ich öfter gesessen, und beim Gedanken, was für obergräusliche Monster sich direkt unter mir befunden haben, läuft mir grad wieder die Gänsehaut auf.

    ps. Keine Sorge wegen des Wetters, habe es in die Schweiz genommen. :squint

    Hmmm, habs schon gemerkt, sehr verbunden! :)

                                                                                                  


    "What price freedom"



    (T. Waits)

  • Also wenn es euch auch so geht wie mir - oder ähnlich - würde ich empfehlen, es in der Therapie anzusprechen.

    Es hat ja einen Ursprung, als dieses Magische Denken angefangen hat und da ist es wichtig eben jenen Ursprung zu finden. Es beginnt eher schleichend und nimmt dann eine Eigendynamik an.

    Aber Hoffnung gibt es: anscheinend kann man lernen, dieses Magische Denken etwas aufzulockern und auch nicht mehr von Schuldgefühlen zerfressen zu werden.


    Wird bei mir wohl noch ein Weilchen dauern, aber ich bin guter Dinge.:squint

    In einer irrsinnigen Welt vernünftig sein zu wollen, ist schon wieder ein Irrsinn für sich.
    - Voltaire -

    :sstprn:

  • Hey Nirak,


    ich bin lange um das Thema herum geschlichen, weil ich irgendwie nicht so die passenden Worte finde und mir selbst mit meiner Meinung nicht ganz einig werde.

    Auch ich habe von Magischen Denken in dieser Form zuvor noch nie gehört.


    Ich glaube (zumindest meistens), dass es keine von Grund auf bösen Menschen gibt. Und selbst wenn, bin ich sicher dass du nicht dazu gehörst :empathy: Mir hat es einen ziemlichen Stich versetzt zu lesen wie schlecht du über dich denkst. Es muss sehr schmerzhaft sein, sich selbst für grundsätzlich böse zu halten. Ich wünsche dir wirklich von Herzen, dass du diese Haltung dir gegenüber aufgeben kannst...

    Wie gesagt, in meiner Welt gibt es das nicht. Ich glaube, dass kein Mensch böse zur Welt kommt.

    Den Gedanken, dass ein Neugeborenes, das gerade geschlüpft ist, böse sein soll kann ich nicht zulassen und ertragen. :a0504:


    Mir sind ein paar Dinge aus der Psychologie-Vorlesung eingefallen, wohlgemerkt, die Vorlesung im Rahmen des BWL Studiums. Wir haben ein paar psychologische Effekte besprochen, die eben teilweise auch im betriebswirtschaftlichen Kontext (vor allem im Marketing/Verkauf) eine Rolle spielen.


    Hast du von einer "self fulfilling prophecy" (sich-selbst erfüllende Prophezeiung) schon mal gehört?

    Dem Gedanken kann ich viel abgewinnen. Ich glaube, dass wir Dinge unbewusst negativ beeinflussen können, weil wir davon ausgehen dass sie negativ werden.


    Außerdem ist es wohl nachgewiesen, dass die Psyche Bestätigungen stärker wahrnimmt und Widersprüche ausblendet. Soll heißen: du denkst, dass etwas schlimmes passiert. Wenn es dann passiert, siehst du das als Bestätigung für deine Vorahnung. Die Macht deiner eigenen Vorahnung wächst, denn du hast ja nun einen Beweis dafür. Die fünf anderen Fälle, in denen du ebenfalls ein schlechtes Gefühl hattest, aber nichts schlimmes passiert ist, speicherst du nicht gleichermaßen ab. Sie würden deine Meinung entkräften, und das mag die Psyche nicht. Also werden diese Fälle einfach ausblendet. Hängen bleiben also alle Situationen, die dich in deinen Vorahnungen/deiner Boshaftigkeit bestärken, alle gegenteiligen Beispiele existieren im Kopf nicht mehr.


    Ein Begriff, den wir in diesem Zusammenhang oft gehört haben sind "kognitive Dissonanzen". Das ist ein Spannungszustand, der durch Widersprüche verursacht wird. Dieser Spannungszustand ist unangenehm und wir versuchen unbewusst diese Spannung zu verringern, indem die Widersprüche eliminiert werden.

    Also auch hier: du bist der Meinung, dass du böse bist. Das ist deine feste Überzeugung. Also suchst du unbewusst aber gezielt nach Beispielen, die diese Überzeugung bestätigen, sodass keine Spannungen entstehen.

    Ich hoffe, ich konnte das halbwegs verständlich erklären :unsure


    Im Zusammenhang mit dem Studium wurde uns eingebläut, dass wissenschaftliches Arbeiten dann wirklich gut wird, wenn man Hypothesen widerlegt. Man stellt eine Theorie auf und muss dann versuchen sie zu widerlegen, denn es ist psychologisch gesehen viel einfacher etwas zu bestätigen. Und eine Hypothese kann niemals verifiziert, also für wahr/richtig erklärt werden. Eine Hypothese bleibt so lange bestehen, bis sie falsifiziert ist. Was aber eben nicht heißt, dass sie wahr ist, nur, dass sie noch nicht widerlegt werden konnte.

    Wenn ich das also mal versuche zu übertragen: du stellst die Hypothese auf, dass du ein böser Mensch bist. Sobald wir ein Beispiel finden, dass diese Hypothese nicht bestätigt, ist sie falsch und du musst sie verwerfen. Und ich bin mir ganz sicher, dass du einige Beispiele finden wirst. (Da könnte man ja mal ganz leicht den Gedanken von MissMarpel aufgreifen... ein böser Mensch würde sich sicher nicht so toll um zwei Wauzis kümmern) :squint Ganz einfach oder?! :knudd:

    Aber Spaß beiseite... so einfach ist es natürlich nicht, das ist mir schon klar. Aber vielleicht eine andere Perspektive.


    So, entschuldige bitte den kleinen Schlenker. Keine Ahnung, ob du damit etwas anfangen kannst... trotzdem wollte ich meine Gedanken dazu da lassen. :m7d3:

    Und alle führen dazu, dass du kein böser Mensch bist. Und dass du auch nicht schuldig bist, wenn jemand krank wird, auch wenn du es ihm gewünscht hast.

    Während ich tippe fällt mir dazu noch etwas ein... als ich Kind war und mein Vater mir mal wieder etwas nicht erlaubt hat, saß ich auf der Schaukel und habe mir gewünscht, dass sich meine Eltern trennen. Denn dann hätte ich mehr gedurft, weil meine Mum lockerer war. Als sich meine Eltern einige Jahre später tatsächlich getrennt haben, habe ich mich auch schuldig gefühlt, denn ich hatte mir das ja gewünscht. :a0105:


    Vielleicht sollte ich noch dazu sagen, dass ich nicht grundsätzlich immer nur logisch denke oder so. Ich glaube zum Beispiel nicht an Zufälle. Ich glaube, dass das meiste im Leben einen Sinn hat, den wir nur oft nicht verstehen.


    Ich drück dir die Daumen für diesen Weg :kleeblatt:

    I’m not the silly romantic you think.

    I don’t want the heavens or the shooting stars.

    I don’t want gemstones or gold.

    I have those things already.

    I want…

    a steady hand.

    A kind soul.

    I want to fall asleep, and wake, knowing my heart is safe.

    I want to love, and be
    loved

    [Shana Abé]

  • Vielen Dank, liebe believe für deine Worte und Gedanken.


    Es muss sehr schmerzhaft sein, sich selbst für grundsätzlich böse zu halten.

    Ich bin damit aufgewachsen dh. ich sehe mich schon immer so. Ich weiss gar nicht wie es sich anfühlen muss, sich als "gut" oder "neutral" zu sehen. Was allerdings wirklich schmerzhaft ist und ich auch darunter leide sind die Schuldgefühle. Ausserdem isoliert man sich zwangsläufig um anderen kein Unglück zu bringen.


    Hast du von einer "self fulfilling prophecy" (sich-selbst erfüllende Prophezeiung) schon mal gehört?

    Ist mir nicht bewusst, davon mal gehört zu haben. Danke, dass du es hier angebracht hast.:knudd:


    Wenn ich das also mal versuche zu übertragen: du stellst die Hypothese auf, dass du ein böser Mensch bist. Sobald wir ein Beispiel finden, dass diese Hypothese nicht bestätigt, ist sie falsch und du musst sie verwerfen. Und ich bin mir ganz sicher, dass du einige Beispiele finden wirst. (Da könnte man ja mal ganz leicht den Gedanken von MissMarpel aufgreifen... ein böser Mensch würde sich sicher nicht so toll um zwei Wauzis kümmern) Ganz einfach oder?!

    Ich verstehe was du meinst. Wenn ich dein Beispiel mit meinen Hunden nehme, kann ich dir meine Gedanken schildern. Mein Senior ist sehr krank, hat viele Probleme und Schmerzen leiden müssen. Ich bin davon überzeugt, dass ihm das schlimme Schicksal widerfahren ist, weil ich ihn damals aussuchte.

    Bei meinem zweiten Hund habe ich mich da abgesichert. Ich habe ihn zwar ausgesucht und mich total in ihn verliebt...aber ich wollte wissen, ob eine Person die eben nicht böse ist, dies auch so sieht und sich für den entschieden hätte. Darum bin ich nicht alleine gegangen.

    Nichts desto trotz weiss ich, dass mein Jüngster nicht von mir geschützt ist...ich muss also sehr viel gutes tun um dem "bösen" entgegen zu wirken.

    Das klingt jetzt so nach Hexenzirkel und weiss ich was, ist es aber nicht. Ich mache dies - wegen den ganzen Erfahrungen die ich gesammelt habe - mittlerweile automatisch.

    Um bei den Hunden zu bleiben; ich fühle mich schon seit bald 12 Jahren schuldig, wegen des Zustandes von meinem Senior. Darunter leide ich und das hätte auch beinahe verhindert, dass ich einen zweiten Hund dazu geholt habe.


    Mittlerweile weiss ich, warum ich so ticke. Diese Schuldgefühle und die Überzeugung kommt aus der Hilflosigkeit. Hatte mich noch nie darauf geachtet. Aber wenn ich in Situationen hilflos bin, fühle ich mich schuldig und meine Erklärung seit je her ist, dass es an meiner "schlechten/bösen" Existenz liegt. Es wird viel Arbeit sein um dagegen anzukommen und mich anderes zu programmieren. Ich will es aber, weil dies für mich ja doch belastend ist.


    als ich Kind war und mein Vater mir mal wieder etwas nicht erlaubt hat, saß ich auf der Schaukel und habe mir gewünscht, dass sich meine Eltern trennen. Denn dann hätte ich mehr gedurft, weil meine Mum lockerer war. Als sich meine Eltern einige Jahre später tatsächlich getrennt haben, habe ich mich auch schuldig gefühlt, denn ich hatte mir das ja gewünscht.

    Verständlich.:empathy: Warst du aber nicht.:knudd:


    Ich musste es mir nicht wünschen. Meine Mama ist drei mal geschieden, mein Erzeuger zwei mal...mein Onkel sogar vier mal. Bei allen fühlte ich mich schuldig, nur nicht beim Erzeuger - obwohl er und seine Frauen mir die Schuld gegeben haben. Aber dort fühlte ich mich keine Sekunde schuldig. Ziemlich gesund, denn es hatte auch nichts mit mir zu tun. Aber ein Kind glaubt das ja mal noch eher...dem war aber nicht so.

    Bei meiner Mama und meinem Onkel schaut es anders aus. Ich denke nicht, dass ich alleine Schuld habe sondern einen Teil dazu beitrage - eben weil ich "böse" bin.

    Da wären wir wieder bei der Hilflosigkeit. So sagte es meine Therapeutin. Macht in der Theorie Sinn, ich weiss nur noch nicht wie ich dem entgegen wirken kann. Aktuell muss ich solche Situationen aufschreiben, bei denen ich mir die Schuld gebe. Mal sehen.:hmm:


    Das ist deine feste Überzeugung. Also suchst du unbewusst aber gezielt nach Beispielen, die diese Überzeugung bestätigen, sodass keine Spannungen entstehen.

    Ich hoffe, ich konnte das halbwegs verständlich erklären

    Kann natürlich gut sein und ich verstehe das. Deswegen schreibe ich seit Beginn von 2017 die guten, bewusst erlebten Situationen auch auf - egal wie klein sie sind.

    In einer irrsinnigen Welt vernünftig sein zu wollen, ist schon wieder ein Irrsinn für sich.
    - Voltaire -

    :sstprn:

  • Es wird viel Arbeit sein um dagegen anzukommen und mich anderes zu programmieren. Ich will es aber, weil dies für mich ja doch belastend ist.

    Ja, bitte! Es wäre zu schade, wenn du weiterhin so absurde Dinge von dir glaubst. :quatsch:

                                                                                                  


    "What price freedom"



    (T. Waits)

  • Ist zwar schon älter dieses Thema, aber interessant, es brachte mich zum Überlegen und zur Erkenntnis, dass dieses Denken nicht normal ist.


    Es ist nicht ein bewusstes Denken, es ist mehr etwas von innen Kommendes, etwas Gewohntes, Normales, dass wenn ich nicht dies oder das gemacht hätte, oder dabei gewesen wäre - dann wäre dies oder das besser gelaufen - wäre ich nicht in dieses Forum gekommen, würde es nicht geschlossen. Oder "hätte ich gestern nicht so einen tollen Tag gehabt, hätte ich heute kein Kopfweh oder wäre mein heutiger Tag wohl nicht so mies" etc etc


    Wie Nirak weiss ich, dass es nicht stimmt. Trotzdem ist dieses innere etwas, das mir sowas sagt oder den Gedanken aufkommen lässt, das es so ist. Ein Automatismus sozusagen.


    Auch wenn mir was passiert, dann ist es, weil ich es anders nicht verdient habe. Vielleicht weil ich in einem Leben vorher ein böser Mensch war, muss ich in diesem Leben die Strafe dafür "absitzen".


    Durch diesen Thread wurde mir das falsche "Untergrunddenken" bewusst - danke an Euch - und nur das was einem bewusst wird, kann man versuchen zu ändern. Zumindest im Nachhinein des Denkens sich sagen, das war wieder falsches Denken <3


    Vielen Dank an Euch

    gruss