Magisches Denken

Es gibt 26 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von padma28.

  • Hallo zusammen,


    es würde mich mal interessieren, ob es hier auch andere hat die "Magisches Denken" bei sich kennen und vielleicht auch schon in der Therapie Thema war?

    Ich habe mich nicht so sehr damit auseinander gesetzt und würde mich freuen, wenn sich der eine oder andere über sein Magisches Denken äussern möchte.


    Bis anhin hatte ich irgendwie eine falsche Vorstellung davon und nun sehe ich mich selber mit dieser Bezeichnung konfrontiert.

    Es gibt eine aktuelle Situation in meinem Leben ( besser gesagt in der Familie ) die mir furchtbare Schuldgefühle machen. Ich gebe mir die Schuld, dass es sich so schlecht entwickelt hat und das alleine durch meinen negativen Einfluss.

    Zum besseren Verständnis muss ich wohl die Situation kurz erklären, was mir schwer fällt...aber ich versuche es.

    Bevor mein Neffe in den Kindergarten kam, bat mich meine Schwester darum ein Gesuch zu verfassen. Mein Neffe soll nicht in den Kindergarten gehen, wo seine Schwester schon war, sondern in den anderen. Soweit so gut, soweit machbar.

    Ich schrieb dieses Gesuch, ihr Mann und sie unterzeichneten es und schickten es ab. Dem wurde stattgegeben und mein Neffe kam in den gewünschten Kindergarten. Alle waren happy.

    Nun hat sich rausgestellt, dass die Kindergartenleiterin einer sektenähnlichen Gruppe angehört und sich auch entsprechend verhält gegenüber den Kindern. Es gab einige Situationen, die besorgniserregend waren. Des weiteren müssen die Kinder die Leiterin am Bein anfassen, wenn sie was sagen müssen und dies ist inakzeptabel.

    Meine Schwester und mein Schwager versuchen aktuell alles dafür zu tun, dass mein Neffe in den anderen Kindergarten versetzt wird. Man kann sich ja vorstellen, dass die ganze Sache ein Skandal ist und es eine Eigendynamik angenommen hat.


    Soweit zum Vorfall. Ich persönlich sehe mich als Schuldige! Da ich das Gesuch geschrieben habe, war das Pech gleich mitgeliefert. Ich bin der festen Überzeugung (schon von Kind auf), dass ich ein böser Mensch bin. Natürlich mache auch ich mal gute Dinge oder habe mal Glück...aber im Grunde habe ich sehr viele Fakten in meinem Leben sammeln können die klar zeigen, dass ich irgendwas böses bin. Sobald ich auf etwas Einfluss habe, passiert was schreckliches...eben wie diese jüngste Situation.

    Ich fühle mich furchtbar und wünschte, mein Schwager hätte das Gesuch geschrieben...dann hätte sich für mein Neffe bzw die Familie das ganze nicht zu diesem Albtraum entwickelt.


    Als ich genau dies so meiner Therapeutin erklärte meinte sie, dass dies Magisches Denken sei. Ich denke, ich habe so eine Macht um Dinge zu beeinflussen. Ich fühlte mich im ersten Moment angegriffen und sagte ihr, dass ich mich weder mächtig halte noch das Gefühl habe bewusst andere Menschen beeinflussen zu können. Ich bin einfach der Überzeugung, dass ich ein schlechter und böser Mensch bin. Dies wirkt sich dann auch zwangsläufig auf die aus, die mit mir zu tun haben - ohne das ich was bewusstes dafür tue. Ich bringe ihnen einfach Pech! Dafür hätte ich unzählige Beispiele.

    Ich glaube daher auch, dass alles schlimme was mir in meinem Leben passiert ist auf Grunde dieser Tatsache passieren konnte.

    Versteht mich nicht falsch; bei anderen Menschen denen schlimme Dinge widerfahren sind, gehe ich nicht vom gleichen aus. Ich denke dann halt auch, dass die durch einen schlechten Menschen beeinflusst wurden und darum schlimmes passierte.

    Es gibt wenige Menschen, die ich als "schlecht" ansehe. Bei mir schon.


    Ich habe mir am Anfang des Jahres angewöhnt, alles Gute was bei mir passiert ( egal wie gross oder klein es ist ) aufzuschreiben und in eine Box zu legen. Am Ende des Jahres werde ich diese Box öffnen und die Zettel lesen um mich daran zu erinnern, dass nicht alles schlecht war.


    Aber zurück zum Magischen Denken. Kennt das auch jemand in dieser Art? Ist das bei mir wirklich Magisches Denken? Wie könnt ihr dem entgegen wirken?


    Liebe Grüsse

    Nirak

    In einer irrsinnigen Welt vernünftig sein zu wollen, ist schon wieder ein Irrsinn für sich.
    - Voltaire -

    :sstprn:

  • Spontan ist mir eingefallen, dass meine Therapeutin einmal zu einer meiner Äußerungen gemeint hat, das wäre magisches Denken. Was genau ich da gesagt hatte, weiß ich nicht mehr, aber wenn mehr Zeit ist, überlege ich mal genauer.

                                                                                                  


    "What price freedom"



    (T. Waits)

  • Ich persönlich kenne es nicht, kenne aber Menschen die so denken. Was das jetzt mit magisch zu tun hat, kriegich gerade nicht einsortiert, werde mich da aber mal beschäftigen mit. Finde es aber immer wieder spannend, dass du dann da von ausgehst, die USt alles schlimme wieder fahren weil du schlimm bist, Anderen dies aber nicht zu traust oder gar aus reden würdest. Wie gesagt ich kenne 2,3 Leutchen mit der selben Problematik. Wehe ich erlaube mir zu sagen ich könnte an irgendetwas schuld haben.

    Die Wuslbande
    Wir sind alle das selbe Ergebnis von exoldierenden Sternen, also lasst uns endlich auch so leben. Sieh in deine Schmucksammlung, dort wirst du garantiert Elemente entdecken die nur in super- wenn nicht sogar Hypernoven entstehen konnten. Der Beweis wir besitzen alle das selbe Edelmetall, nur der Mensch entscheidet wem Was zusteht, nicht der explodierenden Stern. mit welchem Recht???

  • Enn konntest du denn was mit der Info anfangen damals?



    Wuslbande Das stimmt, bei anderen sehe ich das dann doch anders als bei mir. Meine Therapeutin fragte mich das auch direkt, ob ich andere auch als böse Menschen ansehe, denen schlimmes widerfahren ist. Ich verneinte und erklärte, dass diese Menschen meiner Meinung nach einfach von einem schlechten Menschen beeinflusst wurden.

    Aber es gibt durchaus Menschen, die ich auch als "schlecht" betrachte. Allerdings sind die blutsverwandt mit mir. :hmm:

    In einer irrsinnigen Welt vernünftig sein zu wollen, ist schon wieder ein Irrsinn für sich.
    - Voltaire -

    :sstprn:

  • Ich habe nochmal drüber nachgedacht. Meine Äußerungen damals gingen mehr in Richtung "Vorahnungen", aber ich glaube ich verstehe, was deine Therapeutin gemeint hat.


    Ich habe im Alltag auch jAnflüge von magischem Denken, z.B. rasches Fingerkreuzen, wenn von einem möglichen Eintreten eines negativen Ereignisses gesprochen wird. So, als ob man die künftigen Ereignisse dadurch tatsächlich beeinflussen könnte.

    Man schreibt sich schon in gewisser Weise selbst eine große Macht zu, wenn man annimmt, dass Ereignisse wirklich von solchen leeren Gesten abhängig sein können.


    Um auf dein Beispiel einzugehen, dein Schwager wollte seinen Sohn in diesem Kindergarten anmelden. Es war seine Entscheidung. Ok, du hast ein Schreiben verfasst, aber auf Bitte der Eltern. Wenn du das nicht übernommen hättest, dann hätten sie jemanden anderes finden können, oder sie hätten selbst geschrieben.

    Ich finde, da musst du dir keine Schuld geben, denn aus meiner Sicht hast du keine.

    Es wäre vielleicht anders, wenn du ihnen den Kindergarten gegen ihren Willen aufgeschwatzt hättest, aber selbst dann wäre die endgültige Entscheidung bei ihnen gelegen.

    Und ja, ich finde schon, dass dein Glaube, dass deine "negative Aura" den schlechten Ausgang der Kindergartenwahl beeinflußt hat, in Richtung magisches Denken geht.


    Und wenn du schlechte Erfahrungen machen musstest in deinem Leben, hängt es meiner Meinung nach bestimmt nicht damit zusammen, dass du ein "böser" Mensch bist, der negative Ereignisse anzieht!

    Shit happens, leider, aber nicht du bist dafür verantwortlich, oder deine -Aura oder was immer, sondern durchaus auch andere Leute, oder ganz einfach unglückliche Umstände. Das passiert eigentlich allen Leuten immer wieder mal. Nicht du bist in irgendeiner Weise dafür verantwortlich!


    Es ist vielmehr so, dass man nicht alles im Leben steuern kann, man ist also in gewisser Weise "ohnmächtig" dem Schicksal ausgeliefert. Und ich glaube, dass magisches Denken helfen kann, sich diesem Schicksal nicht so ausgeliefert zu fühlen, eben dadurch, dass man glaubt, dieses Schicksal selbst beeinflussen zu können. Aber tatsächlich ist es eben so, dass keiner diese Macht hat.


    Ich hoffe und wünsche dir, dass du mit Hilfe deiner Therapeutin diese grundsätzlichen Schuldgefühle besser verstehen lernst, und sie vielleicht irgendwann ablegen kannst.


    Und außerdem wollte ich noch sagen, dass ich dich hier ganz sicher nicht als bösen Menschen erlebe, sondern als absolut sympathische Person!


    edit: Nein, damals konnte ich nichts mit anfangen, ich habe genauso wie du gedacht, dass ich mich überhaupt nicht mächtig fühle, und dass eine solche Annahme kompletter Blödsinn ist. Aber durch deinen Thread , und wenn ich aus heutiger Sicht drüber nachdenke, glaube ich, dass meine Therapeutin damals recht hatte.

                                                                                                  


    "What price freedom"



    (T. Waits)

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  • Vielen Dank für deine Antwort und die Blumen Enn !


    Ich glaube, dass ich ohne mein zutun schlecht bin. Also das ich schon so zur Welt kam. Darum kann ich das auch nicht ändern. Es ist ein Fakt, so wie es gute Menschen gibt. Die haben oft Glück, positive Einflüsse auf ihre Umgebung etc.

    Soweit meine Gedanken dazu.


    Meine Äußerungen damals gingen mehr in Richtung "Vorahnungen", aber ich glaube ich verstehe, was deine Therapeutin gemeint hat.

    Schliess ich mich gleich mal an - wobei ich das noch gar nicht erzählen konnte, da ich ja "neu" bei ihr bin seit mein alter Therapeut umgezogen ist.

    Auch hier ein Beispiel: Ich habe in Wutphasen drei Menschen schlimme Dinge gewünscht. Sind sind alle schwer krank geworden, die eine davon wird daran sterben. Ich fühle mich selbstverständlich schuldig, weil ich denen das ja gewünscht habe und es erfüllte sich. Zufall? Keine Ahnung.

    Aus meiner Sicht nicht, ich bin tief im Inneren davon überzeugt das es meine Schuld ist. Ich verfüge dennoch über ein gewisses Mass an gesunden Menschenverstand und kann sehr wohl Realitätsprüfung machen, zumal es auch "gute" Menschen gibt, die anderen schon böses gewünscht haben. Nur bei mir, wurde es ja wahr. :a0105:


    Nun, es sind keine direkten Vorahnungen aber ich bin sicher, wenn ich wem nun was schlimmes Wünsche, dass dies dann auch so passieren wird. Aus diesem Grund wünsche ich niemandem mehr was schlechtes.

    Denn - und das ist das tragische dabei - ich leide sehr unter meinen Schuldgefühlen. Ich wünschte, ich könnte das besser in den Griff bekommen, denn die Schuldgefühle benötigen derart viel Energie und Kraft.


    Und ja, ich finde schon, dass dein Glaube, dass deine "negative Aura" den schlechten Ausgang der Kindergartenwahl beeinflußt hat, in Richtung magisches Denken geht.

    Dann ist es vielleicht wirklich als solches zu benennen. Wie gesagt, ich hatte mich damit noch nicht gross auseinander gesetzt bis jetzt.


    man ist also in gewisser Weise "ohnmächtig" dem Schicksal ausgeliefert. Und ich glaube, dass magisches Denken helfen kann, sich diesem Schicksal nicht so ausgeliefert zu fühlen, eben dadurch, dass man glaubt, dieses Schicksal selbst beeinflussen zu können. Aber tatsächlich ist es eben so, dass keiner diese Macht hat.

    So ziemlich genau das sagte meine Therapeutin zu mir. Ich solle auch mal darauf achten, ob diese Empfindung dann aufkommt, wenn ich mich in einer Situation ohnmächtig fühle. :hmm: Ist durchaus so, wenn ich mir einige Ereignisse durch den Kopf gehen lasse.

    Ebenso wie bei der aktuellen Geschichte mit meinem Neffen. Er ist mir extrem wichtig und ich würde für ihn und seine Schwester einfach alles tun. Nur in dieser Sache muss ich mich zurück halten. Ich kann auch nicht meine Schwester beschützen, obwohl es ihr wegen dieser Sache so schlecht geht. Am liebsten möchte ich alles übernehmen und sie wie auch die Kids beschützen - nur ist das nicht meine Aufgabe. Meine Schwester ist eine 33jährige, verheiratete Frau und Mutter von zwei Kindern. Es ist schwer, aber gesund sie als solches wahrzunehmen und nicht als meine kleine Schwester, die ich vor allem schlechtem schützen muss.

    Sie und ihr Mann werden das schaffen, davon bin ich überzeugt. Das sagt mir mein Verstand und mein Vertrauen in die beiden.

    Verstehst du? Es ist so ein "Verstand vs. Emotionen" Ding.


    Ich hoffe und wünsche dir, dass du mit Hilfe deiner Therapeutin diese grundsätzlichen Schuldgefühle besser verstehen lernst, und sie vielleicht irgendwann ablegen kannst.

    Danke, wäre durchaus ein wichtiges Ziel und ich arbeite hart an mir schon seit Jahren. Früher war das ganze ja noch viel schlimmer als heute.

    Sie fragte mich, ob ich wütend sei weil sie meine Sicht der Dinge nicht teile. Ich meinte zu ihr, dass ich dies nicht sei da ich ja von ihr erwarte das sie mir langfristig hilft und da kann ich von ausgehen, dass sie die Dinge anders sieht als ich. Ausserdem bin ich sicher nicht wütend darüber, dass andere mich anders sehen...ich denke dann einfach, die sehen mich falsch. :squint

    Nein, Spass beiseite. Für mich ist dieses Gefühl ja nichts neues...ich kenne es seit bald 37 Jahren nicht anders. :c0455: Finde es eher befremdlich, wenn es andere anders sehen. Bin aber mittlerweile bereit, die anderen Ansichten auch anzunehmen.

    Meine Familie weiss wie ich mich sehe und ich weiss, wie sie mich sehen. Sie verstehen natürlich nicht meine Sicht und ich nicht die von ihnen. Aber man akzeptiert es einfach.

    edit: Nein, damals konnte ich nichts mit anfangen, ich habe genauso wie du gedacht, dass ich mich überhaupt nicht mächtig fühle, und dass eine solche Annahme kompletter Blödsinn ist. Aber durch deinen Thread , und wenn ich aus heutiger Sicht drüber nachdenke, glaube ich, dass meine Therapeutin damals recht hatte.

    Okay, irgendwie beruhigend nicht so alleine damit zu sein. Fand es wirklich nicht gerade prickelnd als sie mir damit kam...denn ich fühle mich ja alles andere als mächtig.

    In einer irrsinnigen Welt vernünftig sein zu wollen, ist schon wieder ein Irrsinn für sich.
    - Voltaire -

    :sstprn:

  • Hey,

    was mir spontan dazu einfällt: ich war heute im Auto unterwegs, und dachte darüber nach, das mein Leben eig grad perfekt ist, ich glücklich bin etc. Dann kam dieser Gedanke "da kommt bestimmt bald wieder was schlechtes/nicht gutes". Ich hab diesen Gedanken energisch weggeschoben und mir gesagt, es wird schon alles gut gehen. War jetzt das jüngeste Bsp. Ich bin sicher, es gibt noch mehr "sowas" in meinem Leben, aber mir fällt grad nur dieses eine Bsp ein. Einen Rat kann ich dir da aber nicht geben :c0455:

  • Danke @MissMarpel , genau sowas kenne ich auch. Natürlich kommt dann auch wirklich demnächst ne Katastrophe. Es ist echt schwer optimistisch zu bleiben.

    Finde ich gut, dass du den Gedanken weg schieben konntest...es vergiftet nämlich wirklich alles positive! :unsure


    Ist das auch schon Magisches Denken oder eher die Unsicherheit und Angst vor dem Verlust? Echt spannend...

    In einer irrsinnigen Welt vernünftig sein zu wollen, ist schon wieder ein Irrsinn für sich.
    - Voltaire -

    :sstprn:

  • Ich denke, zum Teil auch Unsicherheit, grad bei der Szene. Leben ist nicht planbar und irgendwas ist doch immer. Wie war das, vorwärts leben, rückwärts verstehen. Hatte allerdings auch schon mehrfach in meinem Leben, das ich Personen nicht mochte und mir gewünscht habe, sie würden gehen (also näheres Umfeld,, Schule etc). Sie sind dann gestorben, ist mir schon 3 mal passiert, an solchen Situationen knabber ich tatsächlich. Man soll ja niemandem etwas schlechtes wünschen, weil alles zu einem zurück kommt irgendwie, deswegen versuche ich mich mit sowas zurück zu halten, klappt nur nicht immer

  • Ich kenn das auch in ähnlicher Form. Es gibt öfters Situationen, wo ich ganz plötzlich vor meinem inneren Auge etwas Schlimmes passieren seh, wenn ich wie geplant weitermache. Dann ändere ich bewusst mein eigentlich geplantes Verhalten. Damit verhindere ich quasi etwas Schlimmes - zumindest bin ich davon überzeugt. Es ist eine Art Eingebung.


    Ich bin mir auch sicher, dass ich für Schlimmes sorgen kann. Einfach nur indem ich es mir in Gedanken vorstelle und teils wünsche. Es quasi heraufbeschwöre. Ob das magisches Denken ist, weiß ich aber nicht. Davon hör ich jetzt zum ersten Mal.

  • Hallo Nirak,


    bei mir ist das magische Denken auch vorhanden.


    Als Beispiele fallen mir folgende Sachen ein:


    Als Kind und Jugendliche, eigentlich bis vor kurzem (und auch heut noch manchmal, weil es eine Angewohnheit ist, der ich aber lange nicht mehr so viel Bedeutung beimesse) hab ich zum Beispiel Beeren von einem Busch auf dem Heimweg gepflückt und diese geworfen, immer wenn ich dort angekommen war, wo die Beere gelandet war, hab ich die nächste geworfen. Der Gedanke dahinter: Wenn ich die richtige Anzahl Beeren gepflückt und diese auf die richtige Art geworfen hatte und es bis nach Hause reichte, würde mir nichts auf dem Heimweg passieren und die Stimmung zuhause wäre gut. Wenn nicht habe ich schlecht geworfen und damit "bewirkt", dass das Schicksal mir auf dem Heimweg übel mitspielen wird oder die Stimmung zuhause unerträglich sein würde und der Tag schlimm endet.

    So ziemlich genau das sagte meine Therapeutin zu mir. Ich solle auch mal darauf achten, ob diese Empfindung dann aufkommt, wenn ich mich in einer Situation ohnmächtig fühle. Ist durchaus so, wenn ich mir einige Ereignisse durch den Kopf gehen lasse.

    Ich denke mal, genau das war in meinem Besipiel auch der Grund bei mir. Habe mich ohnmächtig gegenüber der Situation zuhause gefühlt.


    Anderes Beispiel: Auch im Forum denke ich manchmal: darf ich überhaupt hier jetzt die Daumen drücken? Nicht dass dann wegen mir alles schief geht. Deswegen drück ich immer dann die Daumen, wenn ich mir selbst gegenüber positiv denke und mich gerade "auf der guten Seite" befinde oder diese ganzen Gedanken rund um das magische Denken nicht oder nur wenig ausgeprägt sind. Wenn ich also sicher bin, nicht durch meine aktuellen Lebensempfindungen versehentlich negative Energien mitzuschicken.


    Eine Therapeutin meinte dazu mal zu mir, dass die Bestätigung von solchen magischen Gedanken viel deutlicher wahrgenommen wird und im Gedächtnis bleibt, als all die Male, in denen es nicht funktioniert hat. Mein Beerenbeispiel von oben: Ich bin sicher zigmal heimgekommen, ohne dass daheim die Stimmung schlecht war und der Tag danach schrecklich, obwohl die Beeren nicht ausgereicht haben. Und ich bin auch sicher zigmal heimgekommen, obwohl die Beeren gereicht haben und es war zuhause schrecklich und der Tag hat schlimm geendet.
    Aber immer dann, wenn es funktioniert hat, hat sich das ungleich stärker eingeprägt, auch wenn es verhältnismäßig weniger war.


    Unabhängig davon: Ich finde den ganzn Ansatz "magisches Denken" sehr komplex, da das magische Denken in der kindlichen Entwicklung immer auftritt (so im Alter von 3,4,5 ) und erst danach das logische, rationale Denken folgt. Es liegt damit ja quasi im Menschen. Außerdem sind verschiedene, gut belegte Konzepte, wie die Self-Fullfilling Prophecy doch auch Dinge, die nicht weit entfernt vom magischen Denken sind, oder?


    Bei mir kommt noch hinzu, dass ich tatsächlich an Magie (im Sinne von Energien, die wir positiv oder negativ nutzen und daher auch mit unseren Absichten und Stimmungen "einfärben" können) glaube. Dies ist Bestandteil meiner Spiritualität und lässt sich damit nicht einfach so für mich rausstreichen. Ich muss hier immer besonders aufpassen, dass ich nicht einer durch die Psyche hervorgerufenen Gedankenspirale der negativen Zwangsgedanken folge.


    Spiritualität hat ja auch immer viell mit "einen Weg für sich finden" und "mit den Umständen zurechtkommen" zu tun und das "magische Denken" wird eigentlich in jeder Religion irgendwie aufgegriffen. Wikipedia sagt, dass es in diesem Kontext dann nicht psychopathologisiert wird. (Hab das gerade mal gegoogelt, weil mich interessiert hat, was da der Unterschied ist. x) )

    Realitätsprüfung hilft, wenn meine Gedankenspirale ins psychologisch ungesunde geht und sich dort verhängt. Oder eben ne Räucherung und ein Baderitual, um das ganze wegzuwaschen. x) Ist mir dann doch wurst, ob ich damit im psychologischen Sinn eventuell magisch gedacht habe, wenn ich dadurch wieder Erleichtert bin und gefestigter Denken und Handeln kann, dabei keinem schade und es mir weiterhilft. ^^

    Ich finde übrigens auch nicht, dass du ein "böser Mensch" bist, Nirak! Auch ich erlebe dich als sympathischen Menschen.


    Deine Gedanken dahingehend kann aber eventuell nachvollziehen. Mir ging es lange so, und auch heute noch manchmal, dass in meinem Kopf einfach kein Platz für den Gedanken war, dass es an mir etwas Gutes geben könnte. Ich "musste" quasi ein böser Mensch sein, weil ich doch sonst sicher ein viel einfacheres, besseres Leben haben würde. Hatte ich aber nicht, also hab ich es im Umkehrschluss deswegen verdient, weil ich ein böser, schlechter Mensch sein muss. Hat(te) bei mir viel mit meinem nicht vorhandenen Selbstwertgefühl zu tun und damit, dass ich mich selbst nicht annehmen konnte. Dadurch hab ich mich dann perfekt ganz subtil selbst noch permanent entwerten können.


    Ich wünsch dir auf jeden Fall alles Gute und dass du mit deiner Therapeutin einen Weg findest, die Belastung dadurch zu reduzieren! :)


    Entscheide das Notwendige
    wage, was du entschieden hast
    vollende, was du gewagt hast.

    ~druidische Weisheit~


    (>^v^)> ♥<(^x^<)
    die Höhen des Lebens schenken uns Glück
    die Tiefen machen uns stark


    Odi et amo. Quare id faciam, fortasse requiris.

    Nescio, sed fieri sentio et excrucior.

    ~catull, carmen 85~


  • Liebe Nirak,

    dein Thread und MissMarpels letzter Beitrag hat weiter in mir gearbeitet. Ich habe gleich gewusst, dass das Thema für mich interessant ist, obwohl ich nicht hätte sagen können, weshalb.

    Also:

    Mein Denken/meine Erwartungen beeinflussen in gewisser Hinsicht mein Handeln, teils bewusst, größtenteils aber wohl unbewusst.

    So wenn ich jetzt denke, dass dieser Tag bescheiden laufen wird, werde ich möglicherweise in einer Form reden, handeln oder in sonst einer Form agieren, dass mir andere Menschen als Reaktion einen schlechten Tag bescheren. Oder es passieren Dinge, die mit einer anderen Grundhaltung oder Aufmerksamkeit anders gelaufen wären.


    Ich habe es früher so oft an mir selbst bemerkt: wenn ich nach meiner alten Überzeugung gelebt habe, also, dass ich einfach nicht in diese Welt gehöre, dass mir kein Platz zusteht etc etc etc, dann sind alle meine sozialen Interaktionen genau so verlaufen, dass sich diese Überzeugungen zu 100% bestätigt haben. Das sind die altbekannten Self-Fullfilling-Prophesies. Meine innere Haltung wird allein durch meine nonverbale Kommunikation (Körperhaltung, Blick) rübergekommen sein.

    Früher habe ich aber geglaubt, meine Person per se, ziehe negative Reaktionen der Mitmenschen an, also ganz klar magisches Denken.

    Heute trete ich anders auf, und mache entsprechend auch andere Erfahrungen.

    Klar, es sind natürlich nicht alle mitmenschlichen Beziehungen angenehm, manche Leute mögen mich nicht, manche kann ich partout nicht ausstehen, aber ich sehe, dass eben nicht meine Person grundsätzlich ein negatives Erlebnis auslöst, sondern dass äußere Umstände/die Befindlichkeiten anderer Menschen genauso eine Rolle spielen. Jemand mag nicht, was ich tue oder sage, hätte mich gern anders, usw. Aber habe ich damit was zu schaffen?


    Daran schließt sich für mich inhaltlich die Frage an, ob es so etwas wie „gute“ oder „schlechte“ Menschen überhaupt gibt.

    Auch mit dem Gedanken an die Hitlers dieser Welt glaube ich: "nein".

    Was ist denn überhaupt „gut“ oder „schlecht“? Die Definition wird abhängig sein von Faktoren wie Kultur, Religion, persönlichen Werten und einigem anderen.

    Außerdem denke ich, die meisten Leute tun sowohl "gute" wie auch "schlechte" Dinge, und man kann sie nicht eindeutig dem einen oder anderen Lager zuordnen.

    Und wenn du Nirak mal eine Liste von Dingen machst, die nach den hier geltenden Wertvorstellungen als „gut“ angesehen werden, dann bin ich überzeugt, dass du bei dir auch gute Eigenschaften und Handlungen finden musst, das kann einfach nicht anders sein.

    Die Menschen (oder andere Tiere) sind im Sinne des Lebens/des Universums weder gut noch böse, sie SIND.

    Nicht mehr, nicht weniger.


    Und klar, manche Leute haben (scheinbar) mehr Glück als andere. Auch du wirst in manchen Belangen mehr Glück haben als andere. Auch ohne dich näher zu kennen, fällt mir schon allein der Umstand ein, dass du (wie ich auch) in einem der wohlhabendsten und derzeit friedlichsten Länder der Welt geboren wurdest. Du denkst sicher nicht, dass Frauen im Kongo, im Sudan oder sonstwo ihre miese Ausgangssituation und ihr Pech in einem Kriegsgebiet zu leben, verdient haben. Das würde bedeuten, dass der größte Teil der unterprivilegierten Weltbevölkerung böse ist, weil sie einfach nur Pech haben. Ich bin sicher, das denkst du nicht.


    Und selbst mit deiner Überzeugung „böse“ zu sein, müsste es dir zu denken geben, dass zumindest einige Aspekte deines Lebens unbestreitbar positiv sind. Müßte es dann nicht im Umkehrschluss des magischen Denkens bedeuten, dass zumindest ein Teilaspekt deiner Person „gut“ ist?

    Willkommen im Club. ; )

    Und was das Pech angeht, das du dir zuschreibst, glaube ich, dass du das genau so wie ich dadurch anziehst, dass du unbewusst so handelst, dass bestimmte negative Dinge/Reaktionen wahrscheinlicher werden. Und schwupp, schon hast du die Bestätigung…


    Ich verstehe aber sehr gut, woher dieses magische Denken auch bei mir kommt.

    Alle Menschen, erst recht kleine Kinder, können nicht einfach so akzeptieren, dass miese Dinge geschehen. Einfach so, ohne Grund.

    Ich meine: mein Vater stirbt, als ich ein Mini-Zwergi bin. Meine Mutter ist eine lebensunfähige Person. Glaubst du ich hätte das verdient? Nein, natürlich nicht. Ich hab‘s nicht verdient, und trotzdem war es so.

    Aber gedacht habe ich es, sicher. Denn welches Kind (oder auch welcher Erwachsene) kann damit leben, dass völlig grundlos die schrecklichsten Sachen geschehen. Einer muss doch Schuld haben, und wenn es nicht wie in meinem Fall die fehlenden oder unzureichenden Erwachsenen sein dürfen, dann doch wenigstens ich selbst, oder?

    Denn ansonsten müsste man sich eingestehen, dass die Welt ein unberechenbarer, völlig chaotischer und anarchistischer Ort ist, den kein Mensch verstehen kann.


    Und man sollte im Hinterkopf behalten, wie unser menschliches Gehirn funktioniert.

    Es sieht eine Wirkung, und forscht nach der Ursache, um künftig Strategien parat zu haben, um die negativen Dinge der Welt zu unbeschadet zu überstehen.

    Unser Hirn ist lösungsorientiert, will ich damit sagen. Und wenn es keine Lösung finden kann, bastelt es sich eine zusammen, damit es nicht abdreht.


    Außerdem muss ich noch etwas loswerden, was nicht in dein Weltbild passen wird, nämlich dass jeden Tag Leute krank werden und sterben, und weder du noch ich noch sonstwer hat das verursacht.

    Ich selbst hab schon oft allen möglichen Leuten die Pest an den Hals gewünscht, aber meines Wissens ist sie in Mitteleuropa seit einigen Jahrhunderten trotzdem nicht mehr aufgetreten. :g030:

    Unser Hirn kann sich auch hier natürlich alles zurechterklären, aber das heißt nicht, dass objektiv tatsächlich ein Kausalzusammenhang besteht.


    Und ja, ich verstehe, dass es heute ein Verstand-gegen-Emotionen-Ding für dich ist. Aber ursprünglich glaube ich, war es eine reine Verstandes-Sache.

    Das Hirn in unseren Kinderjahren war entwicklungsbedingt mit der Gesamtsituation völlig überfordert, hat sich eine Erklärung zurechtgelegt, um einen emotionalen Gau zu verhindern, und dieses frühere (magische) Denken ist nun fest verankert, und steuert die Gefühle.


    Ich hoffe du bist mir nicht böse, wenn ich dir in deinen negativen Sichtweisen widerspreche, aber ich finde wirklich du könntest und solltest freundlicher mit dir selbst umgehen. :knudd:

    Bestraf die anderen für den Mist mit dem sie dich zugemüllt haben, aber bitte nicht dich selbst!



    LilaLichter : ja, ich glaube auch, dass magisches Denken in gewisser Weise im Menschen angelegt ist, und solange es das normale Leben nicht beeinträchtigt, ist das ja auch völlig ok. Und Religion hat für mich auch sehr viel mit magischem Denken zu tun, oder beinhaltet solche Gedanken.

                                                                                                  


    "What price freedom"



    (T. Waits)

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Enn ()

  • Es freut mich sehr, eure Meinungen und Ansichten zu lesen. Wirklich ein (mittlerweile) spannendes Thema.


    LilaLichter und Enn ihr bringt beide die Religion/Spiritualität damit im Zusammenhang. Ich muss dazu aber erklären, dass ich damit gar nichts am Hut habe. Ich glaube an keine Gottheit, an keinen Teufel oder eine Hölle usw. Ich bin nicht mal esoterisch angehaucht, geschweige denn daran interessiert. Meine Familie allerdings schon. Sie glauben an die Einwirkung des Universums auf den Menschen, aber mich befremdet diese Sicht der Dinge.


    Jetzt wo ich diese Zeilen schreibe merke ich allerdings auch, wie sehr sie im Widerspruch zu dem stehen wie ich mich sehe. Ich habe es ehrlich gesagt auch noch nie hinterfragt, warum ich denke das ich böse geboren wurde. Es ist für mich einfach normal.

    Ich hoffe du bist mir nicht böse, wenn ich dir in deinen negativen Sichtweisen widerspreche, aber ich finde wirklich du könntest und solltest freundlicher mit dir selbst umgehen.

    Natürlich bin ich dir nicht böse, es hilft mir ja andere Sichtweisen zu lesen und darüber nachzudenken. :knudd:


    Und wenn du Nirakmal eine Liste von Dingen machst, die nach den hier geltendenWertvorstellungen als „gut“ angesehen werden, dann bin ichüberzeugt, dass du bei dir auch gute Eigenschaften und Handlungenfinden musst, das kann einfach nicht anders sein.

    Die gab es wirklich. Ich glaube, dass man auch als böser bzw schlechter Mensch auch mal Gutes erreichen kann oder jemandem gut tut. Warum das so ist, dafür habe ich keine rationale Erklärung. Vielleicht auch so eine Überlebungssache...wenn man nur immer Pech bringt, schlecht ist und böses verbreitet steht man schnell alleine da oder wird irgendwann auf dem Dorfplatz gesteinigt. :squint

    Ich merke, dass meine These - die ich doch schon so viele Jahre mit mir rumtrage - etwas brüchig wird, wenn man sich mal damit auseinander setzt. Als wären da noch ein paar Fragen offen...:hmm:

    Das endet noch in einer Identitätskrise, ich seh' das schon kommen. Ich kenne es ja nicht anders. Wenn etwas schlimmes passiert und ich irgendwie involviert war, habe ich Schuld. Absolut normal und klar für meine Emotionen.


    Anderes Beispiel: Auch im Forum denke ich manchmal: darf ich überhaupt hier jetzt die Daumen drücken? Nicht dass dann wegen mir alles schief geht. Deswegen drück ich immer dann die Daumen, wenn ich mir selbst gegenüber positiv denke und mich gerade "auf der guten Seite" befinde oder diese ganzen Gedanken rund um das magische Denken nicht oder nur wenig ausgeprägt sind. Wenn ich also sicher bin, nicht durch meine aktuellen Lebensempfindungen versehentlich negative Energien mitzuschicken.

    Da geht es mir ähnlich wie dir. Ich bin zb. der Überzeugung, dass das Forum wegen mir schlecht läuft. Nicht, weil ich negatives getan hätte...sondern weil ich das Forum mit Nicki übernommen habe. Hätte sie es alleine übernommen, würde es nun sicher total rund laufen. So meine Empfindungen. Ich stürze mich dann noch mehr in die Arbeit im Forum rein, quasi um so viel positives zu erreichen um mein "schlechtes" zu überbieten. :unsure Das gibt dann einen Rattenschwanz. Ich gehe dann also davon aus, dass es andere auch so sehen wie ich und ich daran Schuld habe. So bereue ich dann schon im Grunde die Übernahme des Forums, weil es ohne mich besser dran wäre. Manchmal hilft mir die Realitätsprüfung da gut durch, aber an anderen Tagen hasse ich mich dann sehr dafür.


    So auch bei einem Mieter, den ich für dieses Haus hier ausgesucht habe. Ich war vorsichtig, habe alles geprüft...die Verantwortung lag bei mir zu 100%. Kaum zog er ein, gab es Ärger und die erste Miete kam auch nicht pünktlich. Na, wer hat Schuld? Ich! Denn ich habe ihn ausgesucht...ich hatte die Finger im Spiel und jetzt haben wir den Salat.


    Ich traue mich nicht, eine neue Beziehung einzugehen - mal abgesehen von den Emotionen - will ich keinem meine schlechte "Wolke" antun. Also die ganze "ich bin von Grunde auf schlecht" - Haltung, hat einfach auf alles in meinem Leben Auswirkungen.

    Eine Therapeutin meinte dazu mal zu mir, dass die Bestätigung von solchen magischen Gedanken viel deutlicher wahrgenommen wird und im Gedächtnis bleibt, als all die Male, in denen es nicht funktioniert hat. Mein Beerenbeispiel von oben: Ich bin sicher zigmal heimgekommen, ohne dass daheim die Stimmung schlecht war und der Tag danach schrecklich, obwohl die Beeren nicht ausgereicht haben. Und ich bin auch sicher zigmal heimgekommen, obwohl die Beeren gereicht haben und es war zuhause schrecklich und der Tag hat schlimm geendet.
    Aber immer dann, wenn es funktioniert hat, hat sich das ungleich stärker eingeprägt, auch wenn es verhältnismäßig weniger war.

    Vom Verstand her absolut nachvollziehbare Erklärung der Therapeutin und auch anhand deines Beispieles.


    Ich finde übrigens auch nicht, dass du ein "böser Mensch" bist, Nirak! Auch ich erlebe dich als sympathischen Menschen.

    Auch dir vielen Dank für die Blumen, liebe Lila. Ich bin jedoch davon überzeugt, dass du es anders sehen würdest, wenn du wegen mir leiden müsstest...weil ich irgendwo dabei war und dir deswegen was schlimmes passiert ist. ( Ist ja zum Glück nicht der Fall. Hoffe ich! )

    Wie gesagt, ich renne ja nicht in der Welt umher und will böse Dinge tun. Ich glaube, sie passieren einfach eben WEIL ich existiere. Daher muss ich viel viel mehr Gutes tun, um dem irgendwie ein bisschen entgegen zu wirken und die Menschen nicht gleich kreischend von mir davon rennen.:m7d3:


    Ich bin mir auch sicher, dass ich für Schlimmes sorgen kann. Einfach nur indem ich es mir in Gedanken vorstelle und teils wünsche. Es quasi heraufbeschwöre. Ob das magisches Denken ist, weiß ich aber nicht. Davon hör ich jetzt zum ersten Mal.

    Könnte schon auch darunter fallen. Für mich beruhigend zu lesen, dass es anderen ähnlich geht wie mir. Aber für dich sicherlich nicht so angenehm, mit dieser Überzeugung leben zu müssen, was?


    Und selbst mitdeiner Überzeugung „böse“ zu sein, müsste es dir zu denkengeben, dass zumindest einige Aspekte deines Lebens unbestreitbarpositiv sind. Müßte es dann nicht im Umkehrschluss des magischenDenkens bedeuten, dass zumindest ein Teilaspekt deiner Person „gut“ist?

    Willkommen im Club. ; )

    Hast du absolut recht damit. Zum Glück habe ich diese positiven Aspekte im meinem Leben, aber warum ich die habe weiss ich einfach nicht. Ist echt was zum grübeln. Eben vielleicht einfach das was ich oben geschrieben habe...so ein Überlebungsding.


    Ich meine: meinVater stirbt, als ich ein Mini-Zwergi bin. Meine Mutter ist einelebensunfähige Person. Glaubst du ich hätte das verdient? Nein,natürlich nicht. Ich hab‘s nicht verdient, und trotzdem war es so.

    Obwohl ich dich auch nicht näher kenne, kann ich dir mit meiner ganzen Überzeugung sagen, dass du es sicher nicht verdient hast! :nene


    Auch du wirst inmanchen Belangen mehr Glück haben als andere. Auch ohne dich näherzu kennen, fällt mir schon allein der Umstand ein, dass du (wie ichauch) in einem der wohlhabendsten und derzeit friedlichsten Länderder Welt geboren wurdest. Du denkst sicher nicht, dass Frauen imKongo, im Sudan oder sonstwo ihre miese Ausgangssituation und ihr Pech in einem Kriegsgebiet zu leben, verdient haben. Das würde bedeuten, dass der größte Teil der unterprivilegierten Weltbevölkerung böse ist, weil sie einfach nur Pech haben. Ich bin sicher, das denkst du nicht.

    Das habe ich in meinem letzten Post geschrieben, dass ich dies bei den Menschen nicht denke. Vielleicht haben sie mit einem schlechten Menschen zu tun gehabt und darum müssen sie so unsäglich leiden. Ich weiss es nicht, eine grausame Vorstellung. Grundsätzlich gehe ich davon aus, dass es Menschen sind die Pech haben und wahrscheinlich extrem darunter leiden ( mal abgesehen von den Umständen, die einem leiden lassen ), dass ihnen sowas passiert. Es ist ungerecht, weil bestimmt viele von ihnen sehe gute Menschen sind. Ich hätte jedoch für mich ja schon eine Erklärung. Natürlich würde ich auch leiden, aber ich wüsste warum mir das passiert und ich dies eben verdient hätte. Es gehört zu mir.

    Du siehst, ich sehe bei anderen die gleiche Situation ganz anders, als wenn es mich betrifft.

    In einer irrsinnigen Welt vernünftig sein zu wollen, ist schon wieder ein Irrsinn für sich.
    - Voltaire -

    :sstprn:

  • Viele interessante Gedanken in den Antworten, möchte aber ganz groß anmerken Nirak, das dein Verhalten/Handeln nichts mit der Entwicklung des Forums zu tun hat. Ich habe mal die These aufgestellt vor Jahren, das jeder Mensch, der Hunde hat, und diese vernünftig und gut behandelt, kein schlechter Mensch sein kann. Bis jetzt ist mir noch kein Gegenbeispiel begegnet :hap::sawe:

  • Alles klar, damit hätten wir die ultimative Antwort. :sawe: Werde dies so in der nächsten Therapiestunde anmerken. :quatsch:

    In einer irrsinnigen Welt vernünftig sein zu wollen, ist schon wieder ein Irrsinn für sich.
    - Voltaire -

    :sstprn:

  • Ich hätte noch einen Vorschlag. Du könntest doch mal probieren, nur bestimmte Tage in der Woche schuldig zu sein. Also vielleicht Montag, Mittwoch und Freitag?

    Die restlichen Tage hättest du frei, und könntest mal ausprobieren, wie es sich lebt, wenn man absolut unschuldig ist? :knudd:

                                                                                                  


    "What price freedom"



    (T. Waits)

  • Ich beteilige mich mal als Erste, die magisches Denken nicht kennt.

    Wie LilaLichter schon schrieb, denke ich auch, dass es sich so erklären lässt: Man findet immer Belege für seine Überzeugungen. Die Wahrnehmung des Menschen läuft im Gehirn durch so viele Filter und diese Filter sind gewohnheitsmäßig eingestellt. Wenn du also sicher bist, dass Menschen etwas schlimmes zustößt wenn du es ihnen wünscht, wirst du nur die Fälle beachten, bei denen das tatsächlich der Fall war. Die anderen Fälle nimmt man dann gar nicht wahr.

    Und ich denke auch, das mit der Selbsterfüllenden Prophezeiung könnte beim Magischen Denken eine Rolle spielen.


    Was ich mich aber noch frage, ist: wo kommt das Magische Denken her? Enn , du hast ja vermutet dass das kindliche Gehirn nach einer Erklärung für schlimme Dinge sucht, und wenn es keinen Schuldigen findet, beschuldigt es sich selbst. Das klingt durchaus plausibel. Mir fällt da aber noch ein, dass es aber auch einfach anerzogen sein kann? Wenn man als Kind zum Beispiel oft genug für alles Negative die Schuld in die Schuhe geschoben bekommt, vermutlich sogar noch von den Bezugspersonen, denen man blind vertraut und alles glaubt, ist es doch klar, dass sich diese Überzeugung auch im Erwachsenenalter hartnäckig hält. Wäre mal eine Überlegung wert, ob ihr (die magisches Denken kennen) solche Ansichten in der frühen Kindheit vermittelt bekommen habt?


    Nirak, auch ich bin der Meinung, dass du ganz sicher kein böser Mensch bist - und der objektiven Einschätzung der Kindergartensituation von Enn kann ich mich nur anschließen: dich trifft keinerlei Schuld. Nur weiß ich aus anderen Situationen, dass solche Beteuerungen von Außen keinen bis kaum einen Effekt haben, leider.

    Ich wollte nur noch anmerken, dass es für mich kaum vorstellbar ist, wie es sich anfühlen muss, wenn man sich selbst für böse hält. Nur, dass es schrecklich sein muss. Deshalb wünsche ich dir (und euch allen) dass durch Therapeutische Hilfe vielleicht eine Verminderung des magischen Denkens möglich ist!

    Auf der Suche oder auf der Flucht?
    Welch himmelschreiender Widerspruch!
    So läuft es doch auf's selbe hinaus:
    man fühlt sich nirgendwo zuhaus.

  • Ja, das ist natürlich auch eine Möglichkeit, Low, dass diese Art zu denken anerzogen sein kann. Wo du es sagst, fällt mir ein, dass meine Großmutter auch immer bei Erwähnung von irgendwelchen Katastrophen die Finger gekreuzt hat, genau wie ich es jetzt mache.


    Magisches Denken muss ja auch kein Problem darstellen. Es ist/war unter Ethnien mit geringem wissenschaftlichen Hintergrund durchaus verbreitet, und spielt auch bei uns eine nicht unerhebliche Rolle, z.B. in religiösen Zusammenhängen. Und wenn man ans europäische Mittelalter denkt, dann sowieso.


    Schwierig wird es wahrscheinlich erst dann, wenn Zwangsgedanken oder -handlungen ins Spiel kommen, oder wenn jemand wie Nirak sich für böse hält.:nene

                                                                                                  


    "What price freedom"



    (T. Waits)

  • Enn , mea culpa für das schlechte Wetter neulich. :squint

    Ich hätte noch einen Vorschlag. Du könntest doch mal probieren, nur bestimmte Tage in der Woche schuldig zu sein. Also vielleicht Montag, Mittwoch und Freitag?

    Die restlichen Tage hättest du frei, und könntest mal ausprobieren, wie es sich lebt, wenn man absolut unschuldig ist?

    Musste schmunzeln, aber wäre einen Versuch wert. Keine Ahnung, ob es umsetzbar ist, aber irgendeine Lösung muss ja her.


    Nirak, auch ich bin der Meinung, dass du ganz sicher kein böser Mensch bist - und der objektiven Einschätzung der Kindergartensituation von Enn kann ich mich nur anschließen: dich trifft keinerlei Schuld.

    Es ist immer wieder so, dass ich mir darüber Gedanken mache und die Realität prüfe. Manchmal kann ich dem etwas entgegen wirken, meinen Schuldgefühlen. Aber es hält nicht lange. Der Verstand verliert immer wieder und die Emotionen übernehmen.


    Ich wollte nur noch anmerken, dass es für mich kaum vorstellbar ist, wie es sich anfühlen muss, wenn man sich selbst für böse hält. Nur, dass es schrecklich sein muss. Deshalb wünsche ich dir (und euch allen) dass durch Therapeutische Hilfe vielleicht eine Verminderung des magischen Denkens möglich ist!

    Es ist schrecklich, weil einem die Schuldgefühle zerstören. Man fühlt sich für sehr vieles schuldig und hat so auch immer die Begründung, warum es besser ist wenn man nicht mehr da ist. Ich kenne es jedoch nicht anders, aber stelle es mir entspannt vor wenn man sich nicht für alles schuldig fühlen muss. Ich werde alles dafür tun, dass ich dies irgendwann auch mal so sehen kann. Ich wünsche es mir wirklich.

    Für mich ist es leider normal, da ich es ja nicht anders kenne. Aber ich bekomme es ja bei anderen mit, dass die anders denken und fühlen...so würde ich das auch für mich wollen.

    Nur kollidiert dieser Wunsch natürlich mit meiner Grundüberzeugung, dass ich schlecht/böse bin. Wie ich von dieser Überzeugung weg kommen soll, ist mir noch ein Rätsel - bin aber für alle Wege offen.

    In einer irrsinnigen Welt vernünftig sein zu wollen, ist schon wieder ein Irrsinn für sich.
    - Voltaire -

    :sstprn:

  • Ich hoffe, es ist ok, wenn ich noch etwas schreibe, weil es ja dein Thread ist, Nirak ? Wenn nicht, lieber sagen, dann kann man den Post sicher löschen.


    Heute früh ist mir ein weiteres Beispiel für magisches Denken an mir aufgefallen. Wahrscheinlich ist davon viel mehr bei mir vorhanden, als ich selber weiß.

    Also, ich bin gestern im Garten beim Auflösen von Stein- und Ziegelhaufen auf spaltenbewohnende Monsterspinnen der allerekligsten Sorte gestossen.

    Weil ich im Lauf der Jahre tapferer geworden bin, habe ich davon mindestens 10 Riesen und zwei Kinder in die ewigen Jagdgründe schicken können.


    Und heute früh kam mir der schreckliche Gedanke: was ist, wenn die jetzt im Jenseits auf mich warten, und mir eine Kathedrale gebaut haben (s. Douglas Adams, Per Anhalter durch die Galaxis)?

    Oder noch gräßlicher, was, wenn ich als Strafe im nächsten Leben eine Spinne werden muss?

    Das klingt jetzt vielleicht komisch, aber ein Teil wirkliche Furcht ist schon dabei. Auch wenn ich ganz bestimmt anti-religiös gepolt bin, und mir bisher niemand die Existenz eines Jenseits nachweisen konnte, oder auch eines "Gottes"nach welcher Definition auch immer.

    Ja, da steckt wohl so einiges in mir drin.


                                                                                                  


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    (T. Waits)